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Bald ein neuer Hausherr

Fridericianum wird verkauft

Die Finanzierung von docunienta und Kunsthalle ist langfristig gesichert. Der hohe Preis dafür: Das Museum Fridericianum wird verkauft und künftig von einem potenten Unternehmen geführt.
Seit Anfang der Woche soll der Verkauf des Museums Fridericianum so gut wie perfekt sein. Zwar war gestern weder bei der documenta noch bei Stadt oder Land eine entsprechende Bestätigung zu erhalten, doch die Aktivitäten der letzten Tage lassen darauf schließen. Auch ist nicht klar, wer den Zuschlag erhalten hat. Wie es heißt, war das international operierende Guggenheim Museum ebenso im Gespräch wie der Elektronik-Hersteller Sony und der Zigarettenkonzern Philipp Morris. Der angestrebte Kaufpreis soll bei 25 Millionen Mark liegen. Allerdings muß der Preis nicht sofort, sondern in 25 Jahresraten gezahlt werden. Die Raten sollen dann für den Betrieb der Kunsthalle und die Veranstaltung der documenta eingesetzt werden. Und der Käufer verpflichtet sich, im Leasing-Verfahren das Gebäude der documenta GmbH zur Verfügung zu stellen, hat aber das Recht, eine Ausstellung pro Jahr nach seinen Vorstellungen zu realisieren. Sollte Sony der Käufer sein, wäre damit zu rechnen, daß es künftig offiziell „Sony-Kunsthalle im Museum Fridericianum“ heißt.

Land und Stadt hatten sich im documenta-Aufsichtsrat auf diesen ungewöhnlichen Schritt geeinigt, nachdem zum wieder- reiche Kunsttreunde nahmen holten Male die Finanzierung das Schild nicht besonders der documenta GmbH auf der ernst. Nun ist der Ernstfall ein- Kippe gestanden hatte. So wur- getreten.
de der Verkauf des Fridericia- Auf der einen Seite ist die Ernums annonciert - weltweit im leichterung groß, weil nun mitInternet und ganz herkömmlich telfristig Kunsthalle und documit einer Tafel am Portikus des menta gesichert sind. SchließGebäudes. Allerdings hatten die lich stand zu befürchten, daß Verantwortlichen die Verkaufs- eben in dem Jahr, in dem sich tafel gleich in Englisch formu- Kassel mit dem Ehrennamen liert, da mit deutschen Interes- „documenta-Stadt“ schmücken senten sowieso kaum zu rech- konnte, der weitere Betrieb in nen gewesen war: „For sale“ dem documenta-Stammhaus war da wochenlang am Frideri- gefährdet schien. Die Blamage cianum zu lesen. Viele Kasseler wäre beispiellos gewesen.
gingen achtlos vorbei, und zahl- Allerdings fällt es schwer,
sich vorzustellen, daß das älte ste öffentliche Museum auf der Kontinent nun in Privatbesit übergeht. Sehr zu hoffen isl daß über den 25-Jahres-Zeit raum hinaus für die zeitgenös sische Kunst in Kassel eine Per spektive verabredet wurde.

Es ist davon auszugehen, da die neue Landesregierung den Kaufvertrag mittragen wird. Schließlich haben sich CDU und FDP in ihrer Koalitionsvereinbarung ausdrücklich für neue Wege der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kultur ausgesprochen.

1. 4. 1999

Noch kein Verkauf

Trotz der Finanznöte und der Bereitschaft vieler Politiker, im Kuiturbereich zu kürzen, ist es noch nicht so weit, daß an einen Verkauf des Museums Fridericianum gedacht wird. Insofern war unser gestriger Bericht ein Aprilscherz. Kein Aprilscherz ist allerdings, daß Kassel sich zwar gern mit dem Ehrennamen „documenta-Stadt“ schmückt, aber von Jahr zu Jahr ein neues Ringen und Bangen um die Finanzierung der Kunsthalle und damit um die Sicherung des Etats der documenta GmbH entsteht. Insofern fragt sich, ob die Stadt eigentlich diesen Ehrennamen verdient.
Kein Aprilscherz ist auch die mit einem Foto belegte Behauptung, am Fridericianum hänge ein großes Schild, das mit seinem „For sale“ potentielle Käuf er anlocken soll. Allerdings hat nicht die documenta GmbH das Schild anbringen lassen. Es ist vielmehr Teil der außerordentlich sehenswerten Ausstellung „Toi,Toi, Toi - Drei Künstlergenerationen aus Neuseeland“, die zusammen mit der Schau „Pro Lidice“ nur noch wenige Tage (bis Ostermontag) zu sehen ist. Peter Robinsons Bild in Form eines Schildes ist für die Ausstellung in doppelter Weise programmatisch: Einerseits hat die malerische Auseinandersetzung mit Texten und Schriftbildern in der zeitgenössischen Kunst Neuseelands einen besonders hohen Stellenwert erlangt; andererseits gibt es in der jüngeren Generation mehrere Künstler, die sich mit den aus der Realität entnommenen Bildzeichen auseinandersetzen, um dann in die Wirklichkeit einzugreifen. Wer über die zeitgenössische Kunst mitreden will, muß diese Ausstellung gesehen haben.

2. 4. 1999

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