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Archive für 22.1.2010
Verschluß der “Verschlüsse”
22.1.2010 by dirkschwarze.
Während sich die Besucher des Kunstvereins über das Thema der Jahresschau „Verschlüsse“ und über seine bildnerische Umsetzung informierten, wurde zwei Stockwerke tiefer, am Portal des Kulturhauses, das Thema zur Tat: Das Atelier Kramer der Gesamthochschule mauerte mit Schwerbetonsteinen den Ein- und Ausgang zu.
Als dann wenig später die ersten Besucher den Kunstverein wieder verlassen wollten, endete ihr Heimweg vor einer grauen Mauer auf der sie die Botschaft lesen konnten: „Der Zugang zur Kunst wird auf die Notausgänge beschränkt.“ Doch ehe. die Aktion vielleicht für einzelne zum Ärgernis hätte werden können, wurde unter dem Klicken der Fotoapparate die gut vorbereitete und inszenierte Aktion beendet und die Mauer abgetragen. Die anonym. herbeigerufene Polizei, die nichts ausrichten konnte und wollte, war von dem Atelier Kramer ebenso zur Kulisse gemacht worden, wie ein Teil der Ausstellungsbesucher, die - einem Premierenpublikum gleich - den Abbau der Mauer mitverfolgten.
Nach einer guten halben Stunde war der spektakulärste Verschluß-Beitrag zur Ausstellung wieder geöffnet. Dieter Rudolph, der Vorsitzende des Kunstvereins, zollte dem Eingriff von Harry Kramer und seinen Studenten lächelnd Anerkennung und akzeptierte den Ausstellungsbeitrag; er meinte allerdings tadelnd, daß diese Arbeit‘ nicht die Jury passiert habe.
In seiner Rede zur Ausstellungseröffnung hatte Rudolph sehr ausführlich die Jury-Arbeit geschildert, um sie möglichst einsichtig zu machen: 84 Künst1er hatten zu der Themenausstellung „Verschlüsse“ 253 Arbeiten. eingereicht. Ausgewählt und ausgestellt wurden aber nur 89 Arbeiten von 48 Künstlern. Rudolph beschrieb die verschiedenen Durchgänge der Auswahl und ließ auch durchblicken, wo es Meinungsunterschiede und Unsicherheiten gegeben habe. Vor allem erläuterte er, daß man die Themenstellung sehr weit begriffen, doch auch sehr ernst genommen habe und so zu guten Ergebnissen gekommen sei. Als darüber hinaus erfreulich bezeichnete er es, daß relativ viele junge und weniger bekannte Künstler in der Ausstellung vertreten seien.
HNA 1. 12.1978
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