Staeck: Nichts ist erledigt

Nach einer Reihe von Auseinandersetzungen ist kürzlich der satirische Grafiker Klaus Staeck zum Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin gewählt worden. Über sein neues Amt sprachen wir mit ihm.

Sie sind in früheren Jahren oft kritisiert, manchmal wie ein Staatsfeind behandelt worden. Ist es da eine
Genugtuung, nun an der Spitze der Akademie der Künste zu stehen?

Staeck: Keine Genugtuung, sondern eine Bestätigung, dass beharrliche Arbeit im
Namen der Demokratie letztlich doch erfolgreich sein kann. Als Staatsfeind habe ich mich nie gefühlt, ganz im Gegenteil, immer als Verteidiger der Demokratie. Dazu gehört vor allem die Meinungsfreiheit, und die muss ständig neu erkämpft werden.

Sie sind in einer turbulenten Zeit Akademie-Präsident geworden. Was sehen Sie als Ihre vordringliche
Aufgabe an?

Staeck: Zunächst hoffe ich, dass es gelingt, die Akademie aus dem Krisengerede herauszuholen.
Sie muss ihre Autorität zurückgewinnen, die sie für sich beansprucht, um in kulturpolitischen Debatten
wieder gehört zu werden.

Die Akademie der Künste gilt als eine Versammlung honoriger Künstler und Denker. Was hat die Öffentlichkeit zu erwarten?

Staeck: Die Öffentlichkeit erwartet Debatten zu wichtigen kulturpolitischen Themen.
Die Sinnstiftung für die gesamte Republik zu liefern, die überall vermisst wird, das wird uns kaum gelingen. Aber es gibt ein paar Themen, wie das Urheberrecht, das gerade zur Novellierung ansteht, die diskutiert werden müssen. Für mich geht es daneben in erster Linie um den Kampf um den immer kleiner werdenden
öffentlichen Raum, denn das ist der Raum, in dem Demokratie praktiziert werden kann. Das heißt: Es gilt, den
Privatisierungswellen, die alle Lebensbereiche überrollen, Einhalt zu gebieten. Daneben geht es um die Fragen des Föderalismus, denn der mühsam erkämpfte Kulturstaatsminister soll schon wieder zurückgestutzt werden.

Die Akademie der Künste hat erst kürzlich ihr neues repräsentatives Haus am Brandenburger Tor bezogen. Was soll die Akademie dort für die Öffentlichkeit anbieten?

Staeck: Das ist natürlich einer der politisch prominentesten Plätze Berlins. Für diesen Ort
erhoffe ich mir Debatten, die die Allgemeinheit vielleicht mehr interessieren als die reinen Kunstdebatten, die in großer Zahl stattfanden. Wir hatten allein im letzten Jahr über 270 Veranstaltungen und 32 Ausstellungen. Aber das wurde nicht richtig wahrgenommen. Das neue Haus bietet sich als eine Art Schaufenster
an.

Führt Ihre neue Aufgabe dazu, dass Sie Ihren Hauptwirkungsort von Heidelberg nach Berlin verlegen?

Staeck:Das wird sich zwangsläufig ergeben. Aber ich brauche trotzdem die Distanz zu
Berlin. Deshalb sind mir die langen Bahnfahrten von und nach Heidelberg zum Gedankensammeln sehr wichtig.

Haben wir von dem Grafiker Klaus Staeck in der nächsten Zeit etwas Besonderes zu erwarten?

Staeck: Das hoffe ich. Ich will nicht meine künstlerische Arbeit zu Gunsten einer eher bürokratischen einstellen. Aber das Dilemma meiner Arbeiten besteht oft darin, dass manchmal 20 Jahre alte Plakate mit ihrem Inhalt heute aktueller sind als zu der Zeit, in der sie entstanden sind. Deshalb lautet
mein Motto: Nichts ist erledigt – und der Auftrag bleibt.

23. 5. 2006