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An Bierdeckel nicht gedacht
Die Grafikerin Martha Stutteregger zu ihrem Logo für die documenta 12
KASSEL/ WIEN. Wieder einmal hat die Präsentation eines Logos für die Kasseler documenta heftige Diskussionen ausgelöst. Die einen erkennen gar nicht auf den ersten Blick, dass die zwölf blauen Abzählstriche unter dem gedruckten Schriftzug zum Logo dazugehören. Die anderen kommen ins Schmunzeln, weil sie an die Bierbestellungen in der Kneipe oder an die Wandzeichnungen von Gefangenen denken.
Ähnlich intensive Logo-Diskussionen hatte es im Vorfeld der documenta von 1997 gegeben, als vor das kleine documenta-d die römische Zehn in Rot gesetzt wurde, sodass einige meinten, das „d“ sei durchgestrichen.
Das neue Logo wurde von der Wiener Grafikdesignerin Martha Stutteregger (Jahrgang 1970) entworfen, die für das grafische Erscheinungsbild der documenta 12 (auch im Internet) zuständig sein wird. Wir befragten die Grafikerin zu ihrem Entwurf:
Welche Vorgaben hatten Sie für das Logo?
Martha Stutteregger: Der Wunsch von documenta-Leiter Roger Buergel war, ein handschriftliches Element in die Gestaltung zu integrieren.
Ist die Idee neu oder gibt es andere Beispiele für diese Kombination?
Stutteregger: Ja, wenn man einmal darauf achtet, findet man mehrere Beispiele. Die Berlinale arbeitet mit einem handschriftlichen Zusatz. Und auch bei der Berlin Biennale habe ich ein solches Element entdeckt.
Wieso wurde gerade für die Nummerierung der Ausstellung, also für die Zahl, die Handschriftform gewählt?
Stutteregger: Wenn man sich die grafischen Gestaltungselemente der früheren Ausstellungen ansieht, erkennt man, dass die Zahl immer eine zentrale Rolle spielte. Durch die handschriftliche Form ergibt sich ein unübersehbarer Kontrast.
Viele denken bei den Abzählstrichen an Bierdeckel….
Stutteregger: Nein, daran habe ich nicht gedacht. Aber es war schon klar, dass mit dieser archaischen Form des Zusammenzählens Witz und Ironie in die entwickelte Form einbezogen werden sollten. Das Gewicht, das die Zahl im Logo einnimmt, sollte etwas zurückgenommen werden.
Durch diese Abzählweise ergibt sich eine Offenheit. Es kann weitergezählt werden. Haben Sie auch daran gedacht?
Stutteregger: Ja, die Offenheit gehört dazu. Die documenta selbst ist so eine starke Marke, dass sie keiner weiteren Verstärkung bedarf. Der Begriff steht, wie auch das Logo zeigt. Deshalb konnte der Zusatz mit der Zahl zwölf aufgelöst werden.
HNA 23. 2. 2006
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