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Auf der Suche nach neuen Räumen
Als fünften Teilnehmer der Documenta 11 stellen wir den in Frankreich lebenden Architekten Yona Friedman vor, der mit utopischen Entwürfen von sich reden gemacht hat.
KASSEL Brauchen wir Modelle für eine andere Welt? Was können wir tun gegen den Flächenfraß der Städte und ihrer wuchernden Vororte? Sind von der Architektur Lösungen und Auswege zu erwarten? Die gängigste Antwort, die die real gebaute Architektur gibt, heißt: Verdichtung. Freiflächen und Lücken werden gefüllt, und in den Metropolen werden die Häuser in die Höhe gezogen. Womöglich bieten sich auch völlig andere Wege an. In den 50er- und 60er-Jahren wurden Utopien für ein neues Denken beim Bauen entworfen. Diese Visionen hatten den Vorzug (und den Nachteil zugleich), dass sie sich nicht an statische Gesetzmäßigkeiten halten mussten, sondern der Fantasie freien Lauf lassen konnten. Einer der großen Visionäre ist der aus Ungarn stammende Architekt Yona Friedman (Jahrgang 1923), der nach Israel emigrierte und seit langem in Frankreich lebt. Friedman engagierte sich in Israel an Aufbauprojekten. Doch bald schon geriet er in Distanz zur praktizierten Massenbauweise. Deshalb suchte er nach Lösungen für mobile Bauformen und vor allem für Strukturen, die helfen, den Flächenverbrauch zu stoppen. Als eine Ausgabe des Faltblattes Point dironie Yona Friedman als einen Künstler der Documenta 11 vorstellte, rief das in der hier ansässigen Architektenschaft skeptische und kritische Reaktionen hervor. Friedman, so war zu hören, habe in der jüngeren Vergangenheit nichts Wesentliches gebaut, und seine Entwürfe stammten aus einer überlebten Zeit. In der internationalen Kunst- und Architekturdiskussion gibt es hingegen eine hohe Wertschätzung für Friedmans Visionen.
Seine Vorschläge für eine Überbauung von Flüssen durch Wohnbrücken oder seine Überlegungen, wie im Raum, oberhalb von Grünflächen und Straßen, Siedlungen verankert werden können, werden immer wieder diskutiert. Für Paris etwa hatte er eine Netzstruktur entworfen, in die er in luftiger Höhe Hauselemente setzen wollte. Und für Straßburg schwebte ihm eine Brücke vor, auf der er kompakte Häuser wie aus dem Baukasten platzieren wollte. Okwui Enwezor, Kunstchef der Documenta 11, hatte Friedman herangezogen, als es darum ging, in der Ausstellung The Short Century neue Siedlungsformen für Afrika zu erörtern. Raummodelle Auch bei einem Kongress über die 50 Jahre israelischer Architektur 1998 im niederländischen Delft wurde Friedmans Werk gewürdigt. Zudem wurde er als ein Mann gefeiert, der jüngere Architekten inspiriert habe. Seine Raummodelle wirken aber zudem wie eigenständige Skulpturen. Sie sind daher als Bindeglieder zwischen Architektur und Kunst in Ausstellungen gefragt.
HNA 20. 2. 2002
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