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Pionier und Meister der Video-Kunst
Der Koreaner Nam June Paik starb im Alter von 73 Jahren - Von der Musik zur Skulptur
Einer der anregendsten Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist tot. Der aus Südkorea stammende Nam June Paik, der während seiner wichtigsten Jahre in Deutschland lebte, war zugleich der Pionier und der überragende Meister der Video-Kunst. Seit einem Schlaganfall im Jahre 1996 war Paik an den Rollstuhl gefesselt.
Noch bevor die Unterhaltungsindustrie die Video-Clips als optische Plattformen für die Musik entwickelt hatte, war Paik dazu übergegangen, das neue Medium Fernsehen mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, indem er die Bildszenen zerschnitt, mischte und vervielfältigte. Die über den Fernsehschirm flimmernden Bilder ließ er ins Absurde kippen.
Das grenzenlose Medium steigerte er ins Maßlose, indem er 1987 für die documenta 8 (zu Ehren von Joseph Beuys) monumentale Video-Wände mit dutzenden von Bildschirmen aufbaute oder Roboter aus einer Vielzahl von Monitoren baute.
In jener Phase, in den 80er- und 90er-Jahren, schien Paik selbst Teil der Unterhaltungsindustrie zu werden. Unter der Wucht der Bilder ging der kritische Ansatz, den der Koreaner seit den 60er-Jahren verfolgte, verloren.
Wiederholt hat René Block in seinen Ausstellungen in der Kunsthalle Fridericianum an diese revolutionären Anfänge erinnert, an die Arbeiten, in denen Paik den Bildschirm total infrage stellte. Denn bevor Paik eine Video-Installation schuf, die eine brennende Kerze als realen Gegenstand und als Aufnahme konfrontierte, hatte er in das leere Gehäuse eines Fernsehgerätes eine Kerze gestellt. Oder er hatte eine kleine Buddha-Statue vor einen Bildschirm gesetzt, auf dem die Statue ihr eigenes Bild betrachten konnte.
Die Kasseler Ausstellungen hatten insbesondere auf Paiks Wurzeln verwiesen, auf sein Herkommen aus der experimentellen Musik und aus der Fluxus-Bewegung. Zuerst hatte er in Tokio Musik studiert und seine Abschlussarbeit über Arnold Schönberg geschrieben. Ab 1956 setzte er in Deutschland seine Studien fort und arbeitete mit Karl-Heinz Stockhausen und John Cage zusammen. Später fand er dann Kontakt zu Wolf Vostell und Joseph Beuys.
Es war die Zeit, in der Musik und bildende Kunst in einem regen Austausch standen. Die Frühzeit von Paiks Video-Arbeiten war auch von der Musik geprägt. Als er begann, seine Video-Installationen in fest gebaute Skulpturen zu verwandeln, schuf er eine seiner denkwürdigsten Arbeiten: Sein für die Cellistin Charlotte Moorman gebautes „Video-Cello“ von 1971 besteht aus drei unterschiedlich großen, fest miteinander verbundenen Monitoren, über die Saiten gespannt sind. Spielte Moorman darauf, erschien sie drei- oder mehrfach auf den Bildschirmen.
HNA 31. 1. 2006
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