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Videos als Teil der Ausstellung
Der künstlerische Leiter der Documenta 11, Okwui Enwezor, hat in sein Team sechs Experten als Kuratoren berufen. In einer lockeren Artikelfolge wollen wir sie vorstellen. Wir beginnen mit Mark Nash.
KASSEL Eine Ausstellung im Kasseler Kunstverein (Kunsthalle Fridericianum) erinnert derzeit unter dem Titel Wiedervorlagean die documenta5, die 1972 Harald Szeemann inhaltlich verantwortete. Diese documenta markierte eine Wende im Ausstellungsbetrieb. In ihr wurden die traditionellen Kunstformen an den Rand gedrängt. Zu den neuen Medien gehörten der experimentelle und der politische Film. Der Engländer Mark Nash, der zum Kuratoren-Team von Okwui Enwezor gehört, hat in einer Diskussion anlässlich der Ausstellung die Rolle und Bedeutung des Films in jener Zeit gewürdigt. Die Videokunst hingegen spielte damals noch eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich fünf Jahre später schlagartig. Denn in der documenta6 wurde den Videofilmen eine eigene Abteilung gewidmet. Die meisten Beiträge konnte man auf Anforderung in einer eigens eingerichteten Videothek sehen. Video-Installationen als Teil der Ausstellung (Arbeiten von Nam June Paik, Ulrike Rosenbach und Frederike Pezold) bildeten die Ausnahme und wirkten daher besonders spektakulär. Da heutzutage viele Künstler (regelmäßig oder nur im Bedarfsfall) mit Video-Projektionen und -Installationen arbeiten, gehören die Monitore, Projektionswände und kabinenartigen Vorführräume zum Erscheinungsbild der großen Ausstellungen. Auch in der Documenta 11 werden die Ausstellungsräume durch Video-Projektionen mitgeprägt. Mark Nash, der Film studiert hat und in London als Dozent für Filmgeschichte und -theorie wirkt, hält es auch für geboten, die Video-Arbeiten im Zusammenhang mit den anderen Werken zu zeigen. Zum einen, weil, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, viele Künstler oft die Medien wechseln und auch kombinieren; zum anderen, weil die Documenta 11 (wie ihre beiden Vorgänger-Ausstellungen) nicht nach Medien gegliedert wird, sondern die künstlerischen Arbeiten in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht werden sollen. Dass diese Mischung eine Herausforderung für die Besucher darstellt, weil die Videofilme zum Teil sehr viel längere Betrachtungszeiten erfordern als Bilder und Skulpturen, weiß natürlich auch Nash. Bloß als Flaneur an den Arbeiten vorüberzugehen, werde ihnen nicht gerecht, meint er. In dem Kuratorenteam ist Nash (Jahrgang 1950) der Film- und Video-Experte. Er hat seit 1984 selbst Filme produziert, war Herausgeber des Magazins Screen und Projektleiter beim British Film Institute. Zudem war er Mitarbeiter von Enwezor bei dessen Ausstellung The Short Century, die, nachdem sie in München und Berlin gezeigt worden war, in New York präsentiert wird. Auch da war er für den Filmteil zuständig. Trotzdem sieht sich Mark Nash bei der Vorbereitung der Documenta 11 nicht als reinen Film- und Video-Kurator. So wie andere seiner Kollegen Vorschläge für den Filmbereich machten, sei er selbst genauso gefragt, wenn es um die Auswahl von Künstlern gehe, die mit anderen Medien arbeiten.
HNA 21. 11. 2001
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