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Zwischen Malerei und Fotografie
Ausstellung Dorothee von Windheim in Bad Arolsen Mensch und Baum im Dialog
BAD AROLSEN. Die Welt ist voller Bilder. Man muss sie nur wahrnehmen und aus ihrem Zusammenhang lösen, um sie dann wie (künstlerisch) geschaffene Bilder präsentieren zu können. Die aus dem westfälischen Kreis Minden (Jahrgang 1945) stammende, in Köln lebende und in Kassel lehrende Malerin Dorothee von Windheim arbeitet seit drei Jahrzehnten nach diesem Prinzip. Anfangs konzentrierte sich die Künstlerin auf die Strukturen alter Mauern. Sie entdeckte, dass die von Verwitterung und menschlichen Botschaften gezeichneten Mauern eine eigene bildnerische Qualität besitzen. Mit Hilfe einer Technik, die bei der Abnahme von Freskomalerei eingesetzt wird, löste sie die obere (lockere) Putzschicht ab. Auf diese Weise entstanden eigenständige Bilder, die die Rückseiten der Putzoberflächen nach außen kehrten. Mit Werken aus diesem Schaffensprozess war die Künstlerin 1977 in der documenta vertreten. Zur gleichen Zeit begann Dorothee von Windheim, auf feuchte Tücher und Papierbögen Strukturen von Baumrinden mithilfe von Durchreibungen (Frottagen) abzuformen. Besonderes Interesse fand sie an den Ritzbildern, die Menschen in die Baumrinden geschnitten hatten Initialen, Herzen, aber auch Köpfe, Figuren und Aktbilder. Seit 1989 lehrt Dorothee von Windheim an der Kunsthochschule Kassel. Sieht man mal von einer Professoren-Ausstellung im Jahre 1996 ab, an der sie beteiligt war, dann muss man davon ausgehen, dass ihr eigenes Schaffen in dieser Region nahezu unbekannt ist. Eine Ausstellung ihres Werkes war längst überfällig. Aber nicht aus Kassel kam dazu die Initiative, sondern aus Bad Arolsen. Im dortigen Schloss ist der Künstlerin in Zusammenarbeit mit Kunsthochschuldirektorin Karin Stempel und Museumsleiterin Birgit Kümmel eine äußerst poetische Schau gelungen. Keine andere Ausstellung hatte sich zuvor so überzeugend auf die Raumsituationen eingelassen. Unter dem Titel arboretum hat Dorothee von Windheim ihre Arbeiten zusammengefasst, die sich mit den Bäumen und den Beziehungen von Baum und Mensch auseinander setzen. Dadurch gewinnt die Ausstellung den Charakter einer Übersichtsschau. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei und Fotografie. Malerisch wirken vor allem die Frottagen, durch die die Künstlerin die in Baumrinden geschnittenen Ritzbilder auf Papier oder Stoff übertragen hat. Malerisch erscheinen sie deshalb, weil neben den Bildern sich auch die Borkenstrukturen abbildeten. Zu den Glanzstücken der Ausstellung zählt ein von der Decke hängender Bildteppich, in den das Motiv einer Frottage als fortlaufendes Muster hineingewebt ist. Einen weiteren Höhepunkt bildet in dem rundum getäfelten Raum eine Installation aus Fotowänden, die in Serien von Negativbildern einen Wald aus nach unten wachsenden (gespiegelten) Ästen zeigen, die wie Wurzeln erscheinen. Und schließlich fasziniert im Flur die Serie der auf zylindrische Kartons montierten Fotos von in Baumrinden geschnittenen Gesichtern, die auf den Sockeln wie eine feierliche Porträtgalerie wirkt.
HNA 14. 10. 2003
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