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Kaiserring geht an Ilya Kabakov
Als 23. Künstler erhält Ilya Kabakov (am 17. Oktober) den Goslarer Kaiserring. Der in New York lebende Russe hat nach dem Ende der Moderne eine neue Avantgarde mitbegründet.
GOSLAR Die Jury des Goslarer Kaiserrings macht Politik. Erst kürte sie unbestrittene Größen wie Henry Moore oder Max Ernst, um dem Kunstpreis zu einem Namen und Niveau zu verhelfen; als das erreicht war, konnte sie sich auch für weniger bekannte Künstler wie etwa Roman Opalka stark machen. Der Russe Ilya Kabakov (64) braucht zwar nicht den Kaiserring, um bekannt zu werden - er ist international gefragt und vielfach preisgekrönt - doch seine Wahl kommt zur rechten Zeit. Einerseits steckt Kabakov noch mitten im kreativen Schaffensprozeß und andererseits wird mit ihm eine Avantgarde-Kunst geehrt, die intellektuell, politisch und unterhaltend zugleich ist.
Egal, wann und wo man in den letzten sieben Jahren Installationen von Kabakov begegnete - sie waren überraschend, erheiternd und luden zugleich zum Nachdenken über die alltäglichen Verhältnisse und die Kunst ein. Kabakov hat es verstanden, die kopflastige Konzept-Kunst weiterzuentwickeln und ihr durch handfeste Sinnlichkeit eine neue Qualität zu verleihen.
Im Kasseler Kunstverein hatte Kabakov 1990 eine Ausstellung über ein Bild inszeniert, die wirkte, als wäre im letzten Moment der Aufbau abgebrochen worden; neben den sieben Fassungen des einen Bildes waren Tafeln mit (fiktiven) Besucherkommentaren angebracht. Zur documentaIX hatte Kabakov im Hof des Fridericianums ein russisches Toilettenhaus erbaut, das sich als Wohnraum entpuppte. Und den Geist der überwundenen Sowjet-Kunst vertrieb er 1993 aus dem russischen Biennale-Pavillon in Venedig, indem er den Pavillon selbst in eine Baustelle verwandelte und hinter ihn eine Scheinarchitektur der Sowjetkunst setzte. Ilya Kabakov ist einer der wenigen Russen, die den Weg vom Staatskünstler über den Nonkonformismus hin zum international wirksamen Konzept-Künstler schafften. Er ironisiert aber nicht nur Kunst und Gesellschaft, sondern findet auch immer wieder neue packende Bilder. Dabei ist seine Stärke, daß er auch im fernen New York aus den Erfahrungen seiner Heimat schöpft.
HNA 10. 1. 1998
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