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Ungestilltes Sehnen nach dem Paradies
Vor 100 Jahren starb der französische Maler Paul Gauguin Südseebilder und der Impuls der Moderne
Zu den Malern, die am Ende des 19. Jahrhunderts die Kunst revolutionierten, gehört Paul Gauguin, der 1848 in Paris geboren wurde und heute vor 100 Jahren in Atuona (Südpazifik) starb. Die von der Südsee und ihren Menschen geprägten Bilder sind zu seinem Markenzeichen geworden. Die exotischen Motive halfen zwar, seinen Mythos zu begründen, doch sind sie es nicht, die ihn zu einem Väter der Moderne machten. Vielmehr waren es sein Sinn für das Ursprüngliche und Naive und seine Fähigkeit, die Farben in ungewohnter Weise aufzunehmen und zu komponieren, die ihn den Impressionismus überwinden und den Expressionismus vorbereiten ließen. Seine leuchtkräftigen Gemälde sind von Harmonie und Schwermut bestimmt. Das verlorene Paradies war vor fünf Jahren eine Ausstellung in Essen betitelt, die Gauguins folgenreiches Wirken würdigte. Die Bilder vermitteln eine Ahnung von der Sehnsucht nach dem Paradies. Aber in Wahrheit hat der von steter Unruhe getriebene, von Krankheiten gezeichnete und von häufigen Geldsorgen geplagte Maler das Paradies auch in der Südsee nicht gefunden, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht hatte. Weil sein Vater, ein liberaler Journalist, 1849 Frankreich verlassen musste, ging die Familie nach Peru. Wahrscheinlich weckten diese frühen Kindheitseindrücke in Paul Gauguin das Fernweh und die Freude an den Farben. Er war Seefahrer und zeitweise erfolgreicher Börsenmakler, bevor er zur Malerei fand. Dabei hatte er das Glück, als Freunde und Lehrer Impressionisten wie Camille Pissarro zu gewinnen. Der Sonntagsmaler Gauguin wandelte sich zum Künstler, der die impressionistischen Anfänge bereits 1887 überwunden hatte. Legendär ist Gauguins Begegnung mit van Gogh. Ihre kurzzeitige Ateliergemeinschaft führte zum Streit und und Bruch. Bei seiner Weltflucht in die Südsee ließ Gauguin seine Frau und Kinder in Kopenhagen zurück. Sein Glück suchte er vorwiegend bei Kindfrauen in dem Paradies, von dem er selbst wusste, dass es längst zerstört war.
HNA 8. 5. 2003
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