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Basis für Neuanfang
Als 1987 der letzte der 7000 Bäume vor dem Fridericianum gepflanzt wurde, schien für viele Kasseler die fünf Jahre zuvor begonnene Aktion von Joseph Beuys erledigt zu sein: Die Bäume samt der dazugehörigen Basaltstelen waren gesetzt und der Streit um das Steinlager auf dem Friedrichsplatz vergessen. Jetzt, so glaubten viele, müsse die Natur selbst für das Weitere sorgen. Doch diese Vorstellung war ebenso naiv wie gefährlich. Denn einerseits gab es vor und hinter den Kulissen weiterhin Streit um den Umgang mit der von Beuys initiierten Skulptur. Zum anderen fühlten sich außer ein paar Aktivisten nur wenige verantwortlich für die Pflege und Fortentwicklung dieses documenta-Werkes von 1982. Vor allem war das Bewußtsein für die Dimensionen und den Wert der „7000 Eichen” nicht ausgeprägt. Wem war schon klar, was die Arbeit bedeutete? Beuys war es schließlich gelungen, die künstlerischen Kräfte zu bündeln, um unmittelbar an den wichtigen und problematischen Punkten Kassels die Lebensqualität und das Stadtbild zu verbessern. Er hatte sichtbar gemacht, daß die Kunst nicht Selbstzweck sein muß, sondern eine Energiequelle für das Gemeinwesen sein kann. Und je länger die Baumreihen stehen, desto klarer wird, daß die „7000 Eichen” auch eine eigene plastische Gestalt gewinnen. Es wirkt wie ein Wunder, daß diese Einsicht jetzt zur verbindlichen Plattform für den Umgang mit den „7000 Eichen” in der Stadt geworden ist. Ein Runder Tisch hat nicht nur dazu beigetragen, die Fronten zu überwinden, sondern die Anfang der Woche von den Stadtverordneten einstimmig angenommenen sieben Thesen zu „7000 Eichen” machen die Stadt ebenso wie die Bürger zu Erben und Trägern des Werkes. Dieser Beschluß, der die Fronten von einst überwindet, ist kein Schlußstrich. Vielmehr bilden die sieben Thesen die Basis für einen notwendigen Neuanfang. Der muß beispielsweise darin bestehen, daß die documenta-Stadt ihren Ehrennamen ernst nimmt und sich als die Stadt der „7000 Eichen” ins Bewußtsein bringt. Denn wenn man bedenkt, daß es Beuys und seinen Helfern gelang, in Japan und USA Geldgeber für sein Kasseler Projekt zu mobilisieren, dann dürfte es nicht unmöglich sein, Kassel als den Ort der Beuys-Bäume international zu profilieren. Aber genauso wichtig ist, schnell dafür zu sorgen, daß ein Beirat installiert wird, der den stadtplanerischen und pflegerischen Umgang mit der Beuys-Arbeit beratend begleitet, und daß eine öffentliche Dokumentation zu dem Projekt geschaffen wird. Der beflügelnde Schwung, der von den Beratungen des Runden Tisches ausgeht, muß genutzt werden. Andernfalls kann man die sieben Thesen vergessen.
HNA 13. 11. 1999
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