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Malermut und Malwut
Jörg Immendorff wird 60 Jahre alt - Bilder zu Deutschland
Düsseldorf. Er liebte das Macho-Gehabe, trat gern in schwarzer Lederkeidung auf und wurde zuletzt durch einen Sex- und Drogenskandal bis ins letzte Dorf bekannt. Aber zu der Zeit hatte ihn schon die schleichende Nervenkrankheit im Griff, die ihn allmählich lähmt und ihn nun als einen Schatten seiner selbst erscheinen lässt. Heute wird der im niedersächsischen Bleckede geborene Maler Jörg Immendorff 60 Jahre alt.
Immendorff gehört zu den wichtigsten deutschen Malern der vergangenen 30 Jahre. Dabei hatte er mit einem Aufstand gegen die Malerei begonnen („Hört auf zu malen“ heißt ein Schlüsselwerk von 1966). 1968 protestierte er gegen die seiner Ansicht zu brave documenta. Bald stand er für den neuen Malermut und gab sich der Malwut hin.
Zusammen mit Georg Baselitz, Markus Lüpertz und K.H. Hödicke war er in den 70er-Jahren einer der Vorkämpfer der figürlich-expressiven Malerei. Unter diesen war er der politischste. In in seiner großformatigen Bildserie „Café Deutschland“ beschwor Immendorff die erstarrte Atmosphäre des geteilten Landes. Mittendrin in dem Café waren er und sein Künstlerkollege A.R. Penck zu sehen, der bis 1980 isoliert in der DDR lebte.
1982 war Immendorff mit Gemälden aus der Serie in der Kasseler documenta vertreten. Vor dem Fridericianum stand seine große bemalte Bronzeskulptur, die in Verlängerung der Serie mit der Form des Brandenburger Tores spielte.
Immer wieder thematisierte Immendorff die Malerei selbst. Zu seinem ständigen Begleiter und Gegenbild wurde der malende Affe, der Symbol des ewigen Streits ist, ob die Malerei nur die Wirklichkeit nachäfft oder etwas Eigenes gestaltet. Immendorff führte daneben immer wieder vor, dass er auch ein hervorragender Zeichner ist und mit seinen Skulpturen ebenso zu überzeugen versteht.
Der Künstler, der bei Joseph Beuys studierte und sich wie dieser stets für seine Schüler einsetzte, lehrte an verschiedenen Akademien; derzeit ist er Professor in Düsseldorf. Eine Zeit lang betrieb er das Lokal „La Paloma“ in Hamburg.
HNA 14. 6. 2005
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