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Eine Kunstsammlung glänzt neu
Nach der Sanierung hat das Landesmuseum Wiesbaden schöne Räume für Werke der Gegenwart
WIESBADEN. Vor 20 Jahren noch war das Landesmuseum eine graue Maus. Es wirkte verstaubt und litt unter dem unübersichtlichen Nebeneinander von Regionalgeschichte, Naturkunde und Kunstsammlungen. Jetzt glänzt das Museum nach Teilsanierung und Ausbau neu und tritt mit seiner Kunstsammlung der Moderne in direkte Konkurrenz zur Nachbarmetropole Frankfurt.
Wer sich einen Überblick über die Malerei des Expressionismus und der Konstruktivisten und vor allem über die internationale Moderne verschaffen will, wird in dem Museum bestens bedient. Durch die Zusammenarbeit mit Künstlern, geschickte Ankäufe sowie die Einwerbung von Stiftungen und Dauerleihgaben ist es dem aus Kassel kommenden Direktor des Museums, Volker Rattemeyer, gelungen, in nur kurzer Zeit eine Sammlung zusammenzutragen, die das in den Schatten stellt, was die Neue Galerie in Kassel trotz der documenta-Ankäufe für diesen Zeitraum zu bieten hat. Da Rattemeyer von Künstlern wie Eva Hesse, Gerhard Richter, Christian Boltanski, Jochen Gerz, Thomas Huber, Micha Ullmann und Ilya Kabakov Werkgruppen beziehungsweise große Installationen gewinnen konnte, entstanden regelrechte Künstlerräume. Dazu kommen faszinierende Künstlerporträts - Fotos von Barbara Klemm sowie raffiniert-witzige Lichtprojektionen von Vollrad Kutscher.
Die Wiedergeburt des Museums wurde 1988 durch die Übernahme der Sammlung Hanna Bekker vom Rath eingeleitet, die Hauptwerke des Expressionismus (Max Beckmann, Ernst-Ludwig Kirchner und Otto Mueller) sowie von Alexej von Jawlensky enthielt. Da das Landesmuseum Wiesbaden schon zuvor beachtliche Bestände von dem russischen Künstler besessen hatte, verfügt es heute über die weltweit zweitgrößte Sammlung von Jawlensky, der von 1921 bis zu seinem Tod im Jahre 1941 in Wiesbaden lebte.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Kunst der Konstruktivisten. Grundlage dafür war die Tatsache, dass das Museum den Nachlass von dem Maler und Gestalter Friedrich Vordemberge-Gildewart erhielt.
Schon 1988 hatte Rattemeyer die Zusage vom Land für die Sanierung des maroden Gebäudes erhalten. In Zusammenarbeit mit dem Kasseler Architektenbüro Schultze & Schulze begann 1991 die schrittweise Modernisierung und Erweiterung (durch Überbauung) für 30 Millionen Euro, die 2008 abgeschlossen werden soll. Die Architekten legten dort, wo es möglich war, die schöne Architektur von Theodor Fischer (oktogonale Räume) frei und gaben den anderen Sälen und Kabinetten klare Strukturen mit vorwiegend indirekter, von oben kommender Beleuchtung und gelegentlichen Durchblicken. Sie schufen ideale, neutrale Räume für die Präsentation von Kunst.
HNA 28. 9. 2006
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