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Eine Werkstatt mit vielen Schülern
Warum es so schwer ist, eindeutig zu klären, welche von seinen Bildern Rembrandt selbst gemalt hat
Der „Mann mit dem Goldhelm“ war bis in die 80er-Jahre eine nationale Institution und ein Inbegriff von Rembrandts Malerei. Umso tiefer war der Sturz, als das Bild vom Thron gestürzt und nur noch als Gemälde aus dem Umkreis von Rembrandt bezeichnet wurde. Meisterhaft sei es nach wie vor, hieß es, an seiner Bedeutung sei nicht zu rütteln. Von wegen. Es ist still um das Gemälde geworden, seit es nicht mehr als Rembrandt-Werk gilt.
Wie kommt es überhaupt zu den Zu- und Abschreibungen? Das erste Problem ist, dass von Rembrandt keine Selbstzeugnisse und keine Listen seiner Werke erhalten sind. Auf der anderen Seite konnte er schon in seiner Frühzeit viele Schüler beschäftigen (die ihm auch Lehrgeld einbrachten). Deren Aufgabe und Ziel war es, möglichst genau wie der Meister zu malen. Die Schüler sorgten für Kopien und Bilder in Rembrandtscher Manier. Und da Rembrandt über viele Jahre in Amsterdam ein gefragter Maler war, übten sich wohl auch andere in seiner Kunst.
Im 18. Jahrhundert, als der hessische Landgraf Wilhelm VIII. seine Gemäldesammlung zusammentrug, verstand man alle Werke in Rembrandts Manier als Originale. Das führte dazu, dass Werke, die heute anderen Malern zugeschrieben werden, damals aber als Rembrandts geschätzt wurden, in der Überlieferung das Rembrandt-Bild mitgeprägt haben. Das Musterbeispiel dafür ist der „Mann mit dem Goldhelm“. In ihm sieht man die Summe Rembrandtscher Ideen vereinigt. Gleichwohl wird es ihm nicht zugeschrieben.
Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass Rembrandt als ein Ausnahmekünstler gilt, als ein Pionier, der experimentierte. Das heißt: Auch das Ungewöhnliche, das anscheinend zu ihm nicht passt, kann ihm zugetraut werden.
Dahinter steht auch die Frage, wie man ein Bild betrachtet. Geht man nahe heran, um die perfekte Malweise zu studieren? Dann spricht vieles für die Feinmalerei. Oder geht man auf Distanz, wie der junge Rembrandt den Künstler im Atelier darstellte? Dann wäre das ein Plädoyer für raue Malerei, die auf Fernwirkung setzt. „Rätsel um seine Anfänge“ hieß die Kasseler Ausstellung im Untertitel. Nicht nur der Anfang ist ein Rätsel.
HNA 15. 7. 2006
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