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Figuren aus dem Wirbel der Linien
KÖLN Der Aufbruch der jungen wilden Malerei Ende der 70er-Jahre verschaffte dem Kölner Zeichner, Maler und Bildhauer Antonius Höckelmann verstärkte Beachtung. Seine kräftige, aus der ausholenden Bewegung entwickelte Bildsprache, die die Figur umkreiste, schien genau dem Geist der Zeit zu entsprechen. Höckelmann, der sich jahrelang als Postarbeiter durchgeschlagen hatte, konnte in den Folgejahren in zahlreichen Ausstellungen sein Werk präsentieren. 1982 lud ihn Rudi Fuchs zur Kasseler documenta ein. Jetzt starb Höckelmann 63-jährig. Im Grunde hatte Höckelmanns Kunst nur wenig mit der neuen Malerei zu tun. Der aus Westfalen stammende Künstler, der in Berlin lebte, bevor er sich in Köln niederließ, war trotz seines Studiums bei Karl Hartung so etwas wie ein Autodidakt. Eigenwillig ging er seinen Weg. Er schuf sich seine eigenen Mythen, wobei er an Munch und den Jugendstil ebenso anknüpfte wie an die informelle Malerei der Nachkriegszeit. Seine bildnerische Kraft wurzelte in der kraftvoll aufgetragenen Linie. Die Linien verdichten sich oftmals zu chaotischen Wirbeln, aus denen die meist fratzenhaften Köpfe hervortreten. Seine Bilder sind in Bewegung und Aufruhr, und selbst dort, wo sie ganz malerisch werden, ist der Ursprung der Zeichnung unübersehbar. So überrascht es nicht, dass Höckelmann sein bevorzugtes Stilmittel der Farbstiftzeichnung auf die malerische Ebene übertragen hat. Einige seiner plastischen Werke wirken wie räumliche Verdickungen seiner Malerei. Daneben hat er in Terrakotta, Mischtechniken und Bronze Objekte geschaffen, die einen eigenständigen Beitrag zur Skulptur des 20. Jahrhunderts geliefert haben. Rätselhaft bewegen sie sich zwischen organischer und amorpher Form.
HNA 27. 6. 2000
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