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Wieder ein Meilenstein
Blick zurück auf die documenta 12 im Vergleich mit ihren Vorgängerinnen
KASSEL. Die documenta 12 ist Geschichte. Sie hat bis zuletzt wütende und vernichtende Kritiken bekommen, fast noch schärfere als die documenta X, die Catherine David vor zehn Jahren organisierte. Sie erntete aber auch Anerkennung – wie in der jüngsten Ausgabe der „Zeit“. War sie nun ein Flop oder ein verwegenes Meisterstück? Mit etwas Abstand wird man sagen müssen: Sie war doch wieder ein Meilenstein, ein Merkpunkt in der über 50-jährigen Geschichte der documenta.
Dabei erwies sich das genau als ihre Stärke, was ihr angekreidet wurde, nämlich dass sich Ruth Noack und Roger Buergel nicht um den Kanon der zeitgenössischen Kunst kümmerten und einen neuen, subjektiven Blickwinkel für die Kunstbetrachtung fanden. Sie vertieften den Ansatz, den Catherine David mit ihrer „Retroperspektive“ gewählt hatte. Damit war gemeint, beim Vorausschauen zugleich zurückzublicken. Während David vereinzelte Werke aus den 60er-Jahren vorgestellt hatte, trugen Noack und Buergel dutzendweise Arbeiten zusammen, die 30, 40 oder noch mehr Jahre alt sind, und die bis heute über große Strahlkraft verfügen.
Bald wird sich zeigen, dass man in der künstlerischen Moderne nicht mehr an Tanaka Atsuko (Elektrisches Kleid), Bela Kolarova (Bilder aus Haaren und Druckknöpfen) oder Maria Bartuszova (Gipsplastiken) vorbeigehen kann.
Okwui Enwezor hatte vor fünf Jahren seine documenta auf der Basis der Davidschen Ausstellung entwickelt und dabei die globale Perspektive verstärkt. Ruth Noack und Roger Buergel gingen einen Schritt weiter: Der traditionell mitteleuropäisch-amerikanische Blinkwinkel wurde nach Osten und Südosten verschoben. Noch stärker als die Osteuropäer waren die Asiaten mit ihren Arbeiten prägend.
Die Ausstellungen der Jahre 1997, 2002 und 2007 ergeben zusammen einen Dreiklang. Nicht nur, weil sie sich vom Markt abwandten, sondern weil sie die Kunst nicht um ihrer selbst willen zeigten, sondern um den Zustand der Welt zu spiegeln.
Roger Buergel hat sich wiederholt auf Arnold Bode und dessen erste documenta bezogen. In der Tat schließt seine gewagte Inszenierung mit Farben und Vorhängen genau an Bodes Erfindungen an. Auch die Absicht, die Position der jüngeren Künstler durch die Einbeziehung älterer zu ergänzen und abzusichern, hat Buergel von Bode übernommen.
Die documenta 12 ist keine Wendemarke wie die documenta 5 von Harald Szeemann. Sie gehört aber zu den wichtigen Ausstellungen, die neue Zugänge eröffnet haben.
HNA 24. 9. 2007
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