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Ein neues Verhältnis zu den Farben
Der Maler und Grafiker Maarten Thiel (Jahrgang 1945) ist seit über drei Jahrzehnten eine feste Größe in der Kasseler Kunstszene. In der Neuen Galerie kann man studieren, wie seine jüngere Malerei Elemente aus seinen Anfangsjahren aufnimmt. Er hat außerdem seine Sammler hier und ist in der Vergangenheit verstärkt mit Kunst-am-Bau-Projekten hervorgetreten. Trotzdem hat man über viele Jahre hinweg außerhalb seines Ateliers seine Bilder nicht im größeren Zusammenhang erleben können. Daher gewinnt die Ausstellung, die Maarten Thiel in der Hauptstelle der Kasseler Sparkasse (Wolfsschlucht 9) ermöglicht wurde, einen besonderen Stellenwert.
Auf Thiels Wunsch schließt die Ausstellung eine umfangreiche Dokumentation seiner Kunst-am-Bau-Arbeiten ein. Warum? Natürlich einmal, weil er in den letzten Jahren viel Zeit, Energie und Fantasie in diese Projekte gesteckt hat. Zum anderen auch deshalb, weil sich unter diesen gestalterischen Aspekten sein Verhältnis zu den Farben und zur Malerei gewandelt hat. Ausschlaggebend dafür ist die Tatsache, dass Thiel seine raumbezogenen Arbeiten nicht länger als dekorative Beigaben begreift, sondern die Farbgebung — wie im Elisabeth-Krankenhaus zu studieren ist —- als einen funktionalen Beitrag zur Architektur ansieht.
Dieser zielgerichtete Umgang mit den Farben im Raum hinterlässt auch auf der Leinwand seine Spuren. Maarten Thiels Malerei ist in den letzten Jahren fester und geschlossener geworden. Die erzählerischen Elemente wurden ebenso zurückgedrängt wie die grafischen Strukturen und Anklänge an Räume oder Landschaften. Nur einzelne Zeichen und Symbole sind geblieben. Und beim näheren Hinsehen entdeckt man, wie sich dann doch die eine oder andere Färbfläche öffnet und in ihr wolkige Schraffuren sichtbar werden. Auch ist die Färbpalette breiter geworden. Das gilt nicht für das einzelne Bild. Das ist meist in einem strengen Rahmen angelegt. Aber bei der Komposition seiner Gemälde insgesamt ist, so möchte man sagen, Thiel großzügiger geworden: Da baut sich ein Bild aus Grau und Weiß
auf, hier dominiert das Grau-Blau und da setzt sich ein für Thiel ungewohntes Rot durch.
Im Vergleich zu seinen früheren Gemälden wirken die Bilder verschlossener, aber auch (im malerischen Sinne) hintergründiger. Dass Thiel aber die Brücke zu der alten Zeit nicht abgebrochen hat, belegen die grafischen Blätter, die ein kleines Gegengewicht bilden.
HNA 14. 12. 2000
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