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Eine Kunsthalle für Kassel
Planungen für das Museum Fridericianum
Vom Jahr 1988 an wird Kassel über eine Kunsthalle für wechselnde Ausstellungen verfügen, die von ihren Dimensionen her in der Bundesrepublik ihresgleichen sucht: Das Museum Fridericianum wird dann auch außerhalb der documenta Impulse für das kulturelle Leben in der Region geben können. Einen ersten Vorgeschmack hatten in jüngster Zeit Ausstellungen wie „Germinations“ sowie über die Hugenotten und die Brüder Grimm gegeben. Außerdem hat das Staatstheater Kassel hier erfolgreich seine Studiobühne „tit installieren können.
Das Fridericianum, das bis Ende der 70er Jahre nur als Provisorium zur Verfügung stand, wird derzeit innen wie außen fertig ausgebaut. Daher sind seit Ende September dort keine Ausstellungen mehr möglich. Der Ausbau soll bis zum Vorlauf der documenta 8 (1987) abgeschlossen sein. Das bedeutet, daß 1988 der Ausstellungsbetrieb aufgezogen werden kann. Um die rechtlichen sowie finanziellen Konsequenzen und um die konzeptuellen Vorstellungen verhandeln seit langem schon die Stadt Kassel, das Land Hessen, die Staatlichen Kunstsammlungen und die Gesamthochschule Kassel. Einig sind sich alle Beteiligten, daß das Projekt Kunsthalle nicht nur eine Chance bietet, sondern auch eine große Verpflichtung zu einem umfangreichen finanziellen Engagement bedeutet. Die Düsseldorfer Kunsthalle beispielsweise hat einen Ausstellungsetat in Höhe von 850 000 bis eine Million Mark; die Personal- und Betriebskosten kommen noch hinzu. Selbst wenn man hier bescheidener plant, wird man über eine Mmdestausstattung von einer Million Mark für die Infrastruktur und den Grundbetrieb hinaus denken müssen.
Auch dies scheint einem Teil der Verantwortlichen klar zu sein, und so verhandeln das Land (als Eigentümer des Hauses) und die Stadt über ein für beide tragbares, realistisches Finanzierungsmodell. Die Gespräche sollen möglichst noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, damit im Frühjahr 1986 ein Ausstellungsleiter gesucht werden kann und die Programm- Planungen anlaufen können. Ferner denkt man daran, daß die Kunsthalle Fridericianum in Fragen der Ausstellungsorganisation auf die Dienste der documenta GmbH mit ihrer ständigen Geschäftsstelle zurückgreifen kann.
Natürlich wird man nicht das ganze Fridericianum mit kurzfristig wechselnden Ausstellungen belegen können. Deshalb ist denkbar, daß ein Teil des Hauses für ein bis zwei Jahre solchen Abteilungen der Staatlichen Kunstsammlungen für Ausstellungen geöffnet wird, die sonst nur unzureichend gezeigt werden können. Zum Ausstellungsgrundstock zählen Projekte wie „Germinations“ und Vergleichsschauen von Stipendiaten. Den eigentlichen Kern aber muß ein Programm bilden, das nicht nur finanzierbar ist, sondem innerhalb der Kunstlandschalt ein eigenes Profil verspricht.
HNA 13. 12. 1985
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