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Hat die Kunsthalle eine Zukunft?
Seit 1988 wird das Museum Fridericianum in Kassel zwischen den documenten als Kunsthalle genutzt. Soll es bei dem
Konzept bleiben, müßten jetzt die Weichen gestellt werden.
Als vor geraumer Zeit der neue Direktor der Staatlichen Museen Kassel, Hans Ottomeyer, in einem Gespräch mit unserer Zeitung laut darüber nachdachte, ob das Museum Fridericianum eigentlich häufiger (mit Hilfe von Sponsoren) von seinem Haus bespielt werden könnte, klingelten bei etlichen Kunstfreunden die Alarmglocken. Soll die 1988 begründete Kunsthalle im Fridericianum auf kaltem Weg liquidiert werden?
Dagegen stehen wiederholte eindeutige Bekenntnisse von Oberbürgermeister Georg Lewandowski und Kulturdezernentin Irmgard Schleier einerseits und vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst andererseits. Die Kunsthalle habe sich über Kassel hinaus einen guten Ruf erworben und müsse mit hohem Anspruch weitergeführt werden, war sowohl beim Abschied von Kunsthallen-Leiter Veit Loers als auch bei der Begrüßung seines Nachfolgers Prof. Tilman Osterwold versichert worden.
Allein, die entscheidenden Schritte sind nicht getan. Bei der Pressekonferenz zur Keith Haring-Ausstellung hatte vorigen Freitag documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld daran erinnert, daß im nächsten Frühjahr der zwischen Stadt und Land geschlossene Vertrag über die Nutzung des Fridericianums auslaufe und dieser dann entsprechend verlängert oder erneuert werden müsse.
Bereits im Frühsommer hatte sich der documenta-Aufsichtsrat mit der Frage beschäftigen sollen, wer ab 1998 die Kunsthalle leiten solle. Denn geht es mit dem Kunsthallen-Betrieb weiter, müssen zum Jahresende die Planungen anlaufen. Auf Nachfrage war aus dem Ministerium zu hören, Anfang September sollten entsprechende Gespräche geführt werden. Das Land stehe zum Konzept, auch hätten die Staatlichen Museen nicht vor, das Fridericianum zu „besetzen“. Allerdings weiche die Stadt immer aus, wenn es um finanzielle Festlegungen für die Zukunft gehe. In der Tat ist das finanzielle Problem kein geringes. Die Kunsthalle Fridericianum war mit einem Gesamtetat (Personal- und Ausstellungskosten von 1,2 Millionen Mark) auf den Weg gebracht worden Diese Summe schrumpfte in Laufe der Jahre und wurde schließlich auch deshalb auf einen Restbetrag reduziert, weil seit Herbst 1994 im erster Obergeschoß durch die Ausstellung „120 Meisterwerke“ die Ausstellungsfläche halbiert ist. Nach 1998 wäre aber auch das erste Obergeschoß wieder zu bespielen.
Bei der Stadt hingegen fragt man sich, ob das Land nicht ganz andere Pläne habe. Gegenüber unserer Zeitung machte Kulturdezernentin Schleier darauf aufmerksam, daß an die Frage der Kunsthalle noch ein weiteres Problem gekoppelt ist - nämlich der Standort des Kunstvereins. Im Vertrauen auf einen langfristigen Vertrag, so Schleier, habe der Kunstverein sein Domizil im Kulturhaus am Ständeplatz aufgegeben, um in einen Erdgeschoß-Flügel des Fridericianums zu ziehen. Aber der vor drei Jahren versprochene Vertrag liege noch nicht vor.
In der Tat ist der Kunstverein in der Klemme: Vereinbarungsgemäß muß er im nächsten Jahr seine Räume im Fridericianum freigeben, weil dann dort die documenta vorbereitet wird. Die Stadt hatte zugesagt, für die documenta-Jahre attraktiven Ersatz zu beschaffen. Dabei gibt es für den Kunstverein auch die Option, wieder in die Räume am Ständeplatz zurückzukehren, mit denen sonst das Stadtmuseum arbeitet. Der Umzug macht aber nur Sinn, wenn Ende 1997 die Rückkehr ins Fridericianum, in das Haus der Kunsthalle, offen steht.
HNA 4. 9. 1996
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