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Vom Rand ins Zentrum gerückt
Kunsthalle Fridericianum wurde unter René Block zum Schnittpunkt der Kunstachsen
„5 Tage bis zum Ende der Kunst“ hieß die Abschluss-Ausstellungsreihe der Kasseler Kunsthalle Fridericianum. Die fünf Tage sind nun verstrichen. Im Countdown von Kunsthallendirektor René Block wurde gestern die Phase Null erreicht. In ihr werden die Freunde der zeitgenössischen Kunst in Kassel sieben Monate verharren müssen - bis zur Eröffnung der documenta 12 am 16. Juni 2007.
Erst dann wieder gibt es in der documenta-Stadt aktuelle Kunst zu sehen. Denn das Fridericianum wird nach Abbau der Ausstellung an die documenta
übergeben. Und da der Kasseler Kunstverein im selben Gebäude seine Räume hat, schheßt auch der seine Pforten. Außerdem ist seit einigen Wochen die Neue Galerie geschlossen, weil die ab 2008 saniert und umgebaut werden soll und im Sommer 2007 einer der Hauptstandorte der documenta 12 sein wird.
Unter diesen Umständen fällt der Abschied von der Kunsthalle und ihrem Programm besonders schwer.
Denn gerade in den letzten Jahren und Monaten ist das Fridericianum nicht nur Ausstellungshalle, sondern lebendiger Veranstaltungsort mit spannenden Installationen, Video-Projektionen und Performances geworden. So ist es der Kunsthalle gelungen, ein junges Publikum für sich zu gewinnen. Aber auch in anderer Hinsicht hat René Block (64) zu einer Verjüngung und Erneuerung beigetragen. Er war 1998 aufgebrochen, um mit verschiedenen Projekten wie „Echolot“ die Ränder der Kunstwelt (Peripherie) zu erkunden. Ihm gelangen nicht nur wichtige Neuentdeckungen, sondern er schaffte es zudem, wie bei seinem mehrteiligen Balkan-Projekt, Kassel und das Fridericianum vom Rand ins Zentrum zu rücken und zum Schnittpunkt weltweiter Kunstachsen zu machen. Ihm kamen dabei seine reichen Erfahrungen als Galerist und Ausstellungsleiter zugute, aber auch seine vielfältigen intemationalen Kontakte.
Vor allem machte Block verständlich, dass Kunst weder selbstbezogen noch isoliert ist. Dank seiner Vorliebe für das Fließende (Fluxus) zeigte er, wie sich Bilder und Objekte zur Sprache hin öffnen können oder wie sich Verbindungslinien zur Musik ergeben. Und weil für ihn alles im Fluss ist, fand er Zugang zu neuesten künstlerischen Ausdrucksformen. Seine Ausstellungen zeichneten sich auch dadurch aus, dass selbst in menschlich und politisch dramatischen Werken Raum für Poesie und Humor blieb.
Blocks Nachfolger, der im Frühjahr 2007 gefunden werden soll, wird es schwer haben, da anzuknüpfen. Die erste Ausstellung unter der neuen künstlerischen Leitung wird erst zur Museumsnacht 2008 eröffnet. Denn nach der documenta wird im Frühjahr 2008 im Fridericianum die Jeröme-Ausstellung gezeigt.
HNA 28. 11. 2006
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