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Chance für junge Künstler
Deutsch-französische Kunsthochschulen planen Ausstellung — Kassel als fester Standort?
Für zwei Tage treffen sich heute in Kassel die Vertreter deutscher und französischer Kunsthochschulen. Einer der Beratungspunkte ist das Vorhaben, im Zwei-Jahres-Rhythmus Ausstellungen in der Bundesrepublik und in Frankreich zu veranstalten, in denen sich von jeder Kunsthochschule je zwei Kunster mit ihrer Arbeit vorstellen können. Als fester deutscher Ausstellungsort ist Kassel im Gespräch, nachdem die erste Übersichtsschau dieser Art in Paris, Berlin und Braunschweig gezeigt worden ist.
Während die langfristige Planung noch nicht gesichert ist, kann man davon ausgehen, daß Kassels Gastgeberrolle zumindest für das nächste Vorhaben (Oktober/November 1983) so gut wie feststeht. Die Ausstellung, die danach noch in Paris, Lyon oder Marseille laufen wird, soll die Werke von rund 40 deutschen und 30 französischen Kunststudenten vorstellen. Zur Teilnahme an dem Projekt, das unter dem Dach des Deutsch-Französischen Jugendwerks stattfindet, werden auch Kunsthochschulen aus Spanien, Italien, Holland, England und Irland eingeladen. So kann man damit rechnen, daß sich in der Ausstellung rund 100 nachwachsende Künstler vorstellen werden. Als Ausstellungsorte sind der Ostteil des Museums Fridericianum und die Orangerie in Kassel im Gespräch.
Gleich mehrere Anliegen können mit diesem Vorhaben verwirklicht werden: Es wird der Jugendaustausch in Europa gestärkt; unabhängig von Kunsthandel und Kunstmarkt können junge, nachwachsende Künstler vorgestellt und gefördert werden; und die documenta-Stadt Kassel, die über Ausstellungsräume, außerhalb der documenten, kaum aber über Projekte verfügt, wird um ein Angebot reicher; gerade die Kunstmarkt-Ferne spricht für Kassel als Heimat eines solchen alternativen Ausstellungsvorhabens.
Die Planung hat viele Väter. Einer ihrer Motoren ist Volker Rattemeyer vom Wissenschaftlichen Zentrum für Berufs- und Hochschulforschung der Gesamthochschule Kassel. Rattemeyer ist vielleicht gerade deshalb zu einer treibenden Kraft auf diesem Feld geworden, weil er nicht dem (einstigen) Kunst- hochschulbereich innerhalb der Gesamthochschule angehört. Er hat diesen Weg zur praktischen Arbeit vielmehr durch seine wissenschaftliche Arbeit gefunden, in der er nach den Berufsaussichten und -erfolgen der Kunsthochschulabsolventen fragte. Seine Untersuchung „Studium und Beruf von Bildenden Künstlern“ kam zu niederschmetternden Ergebnissen für die nachwachsenden Kunststudenten. Das für nächstes Jahr in Aussicht genommene Ausstellungsprojekt allein kann nicht die Wende bringen, es könnte jedoch Wege zu neuen Formen der Förderung junger Künstler aufzeigen.
Und so sieht Rattemeyer auch die Ausstellung keineswegs nur als zweckfreie Beglückungsveranstaltung für die geladenen Kunststudenten, sondern auch als Forschungsgegenstand, der die Gesamthochschule zu begleitenden Untersuchungen herausfordert. Kassel könnte somit dauerhaft zu einem Ort werden, an dem systematisch junge Kunst ausgestellt und, wie es Rattemeyer nennt, „beforscht“ wird.
Die Finanzierung des knapp 500 000 DM teuren Projektes scheint trotz der knappen Kassen deshalb möglich, weil sich daran zahlreiche Träger mit kleineren Summen beteiligen wollen - das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Regierungen in Paris, Bonn und Wiesbaden, die Kunsthochschulen und auch die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Diese breite Trägerschaft spricht für das große Interesse, auf das das Vorhaben stößt.
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