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Ein Künstler zwischen Markt und sakraler Geste
Joseph Beuys total: Die documenta-Stadt feiert m mehreren Ausstellungen einen Künstler, der hier wesentliche Teile seines Werkes realisierte, der hier aber auch über seinen Tod hinaus Anfeindungen auf sich zog. In der Galerie Sander (Schönfelder Str. 3, bis 30. Oktober) wird im kleinen Stil fortgesetzt, was im Fridericianum Programm ist. Die Galerie präsentiert vornehmlich Arbeiten, die Beuys im Zusammenhang mit seinen Kasseler Projekten schuf. Es sind signierte Plakate, die Rose im Glas für die direkte Demokratie, die Informations-Plastiktüte, Honigeimer (Relikte von der „Honigpumpe“) und als großes Einzelstück ein Filz-anzug.
Beuys wollte seine plastischen Ideen unter die Menschen bringen. So schuf er in hohen Auflagen Postkarten, Plakate und Kleinobjekte, die für jedermann erschwinglich waren. Trotzdem konnte er nicht verhindern, daß alles, was seine Signatur trägt, zu teurem Kunstgut wurde. Die Gesetze des Marktes haben die Ursprungsideen auf den Kopf gestellt.
Stadtsparkassen-Vorstandschef Dr. Klaus Lukas meinte, als er in der Kassenhalle der Hauptstelle (Wolfsschlucht 9, bis 15. Oktober) eine Ausstellung mit 15 Großfotos von Dieter Schwerdtle zu Beuys in Kassel eröffnete, dieser Künstler sei auch ein erfolgreicher Marketingmann gewesen.
Schwerdtle hat Beuys dokumentierend begleitet. Seine intensiven Fotostudien vermitteln etwas von der Strahlkraft, die von Beuys ausging. Sie zeigen einen Menschen, der weiß, daß seine Aktionen wegweisende Handlungen sind. Oberlandeskirchenrat Klaus Röhring nutzte die Eröffnung, um zu untersuchen, inwieweit Beuys bewußt die sakrale Gesten bemühte. Sein kenntnisreicher Vortrag zum Wechselverhältnis von Kunst und Religion mündete schließlich in der Aufforderung, die Kunst nicht länger als Religionsersatz zu betrachten und sie so zu befreien. Damit löste er lebhafte und kontroverse Gespräche aus.
HNA 8. 9. 1993
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