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Die Allgegenwart der Gewalt
Bis zum 23. November läuft in der Kunsthalle Fridericianum die Ausstellung „In den Schluchten des Balkan “, an der 88 Künstler beteiligt sind. In einer Artikelfolge stellen wir einzelne Arbeiten vor.
Die neunteilige Fotoarbeit wirkt im ersten Moment wie ein Vexierbild. Man sieht eine Reihe gleichartiger Bilder, die jeweils durch den spiegelnden Vordergrund in sich verdoppelt scheinen. Zum Zentrum der Fotoserie wird das untere mittlere Bild durch seinen anderen Farbgrundton und das Motiv der säuberlich geordneten Tabletten.
Auf den anderen acht Fotos sehen wir acht fast identische Situationen: Vier Personen sitzen am oberen Ende eines Tisches und verbergen ihre Gesichter. Es ist, als wollten sie sich dem fotografischen Zugriff entziehen, als wollten sie bei einem illegalen Treff nicht erkannt werden.
Das Foto mit den wohl geordneten Tabletten legt den Verdacht nahe, dass es hier um Drogenmissbrauch geht. In der Tat entdeckt man links außen auf dem mittleren Bild ebenfalls Tabletten, die auf dem Tisch ausgestreut sind.
Der türkische Künstler Bülent Sangar spürt seit langem mit seinen Arbeiten die Allgegenwart der Gewalt in der heutigen Gesellschaft auf. In früheren Jahren dokumentierte er in seinen Fotoserien Formen der terroristischen Staatsgewalt. Und er zeigte, wie diese Atmosphäre dazu beitrug, dass die Gewalt auch in den Alltag der Menschen einbrach, wie viele selbst gewalttätig wurden.
Doch das Schlimme daran ist, dass schließlich auch dort, wo die Menschen glaubten, sicher und geschützt zu sein, sie sich mit der Gewalt konfrontiert sahen. So schuf er inszenierte Fotos, auf denen Menschen zu sehen, die embryonale Schutzhaltungen einnehmen oder die, wie in dieser Bilderfolge, ihre Gesichter verbergen, weil Fremde in ihre private Welt einbrechen und sie bedrohen. Die Unentschiedenheit der Situation macht sie so unheimlich.
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