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Suche nach dem Magischen
Das Malerdorf Willingshausen im Schwalm-Eder-Kreis lebt von der Erinnerung an eine beachtliche Künstlertradition und von der nach wie vor reizvollen landschaftlichen Umgebung. Wer sich bildnerisch mit der Natur, mit der lieblichen Mittelgebirgslandschaft, auseinander setzen will, findet dort seine Motive. Allerdings haben sich die künstlerischen Voraussetzungen geändert. Während vor 100 und mehr Jahren professionelle Ma1er wie Ludwig Knaus und Carl Bantzer den Weg nach Willingshausen fanden, sind es heute weit gehend nur noch zeichnende und malende Liebhaber der vergangenen Kunst. Die heutigen Künstler suchen nur noch im Ausnahmefall die Anregungen einer speziellen Landschaft.
Vor diesem Hintergrund war es mutig, dass die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen vor sieben Jahren begann, zweimal im Jahr ein Stipendium auszuloben, das jungen Künstlern ermöglicht, in Willingshausen für ein paar Wochen zu arbeiten und dort anschließend auszustellen. Der Clou der Förderung besteht in der Herausgabe eines Kataloges. Auf diese Weise gewinnt das Stipendium einen nachhaltigen Effekt.
Bei jedem neuen Stipendiaten stellt sich eine nahe liegende Frage: Hat er sich auf den Ort und seine Umgebung eingelassen, oder arbeitet er in seiner üblichen Weise weiter? Für den Leipziger Tilo Baumgärtel (Jahrgang 1972) ist sicherlich anzunehmen, dass die Schwälmer Landschaft Spuren in seinem malerischen Werk hinterlassen wird. Dazu setzt sich der junge Maler, der Meisterschüler bei Arno Rink war, zu intensiv mit dem Licht und der Landschaft auseinander. Aber die Ge mälde und Zeichnungen, die Baumgärtel jetzt zum Abschluss seines Willingshäuser Aufenthaltes zeigt, verweigern erst einmal direkte Bezüge.
Baumgärtel stellt sich als ein talentierter Maler vor, der in der Beschäftigung mit der Wirklichkeit immer wieder zu rätselhaft magischen Bildern gelangt. Er geht von einem realistischen Grundverständnis aus, verfremdet aber den Wirklichkeitsbezug durch Elemente, die er der Comic-Welt entnimmt, oder durch die Kombination von intensiver Färbkomposition und schwarzweißer Zeichnung oder die Verkehrung der Größenverhältnisse von Motiven. Die befremdlichen Farben und die Starrheit der Figuren lassen seine Bilder als Visionen erscheinen, die nicht so einfach zwischen Traum und Wirklichkeit einzuordnen sind. Die Ausstellung unterstreicht, dass Baumgärtel für das Stipendium eine gute Wahl war.
HNA 13. 7. 2002
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