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Kaiserring für Beuys
Vielen schien es eine Glosse wert: Joseph Beuys, der Aktionskünstler aus Düsseldorf, erhält in der einstigen Kaiserresidenz am Harz einen Kunstpreis namens Kaiserring. Der Mann mit Hut und lindgrüner Fliegerweste zwischen festlich gewandeten Bürgern in der Festhalle der Goslarer Kaiserpfalz, mit Blick auf das kolossale Wandgemälde, das Kaiser Wilhelm I zu Pferde inmitten der Fürsten und allegorischer Gestalten darstellt.
Spätestens aber, als Beuys bekannte, daß diese Auszeichnung für ihn „eine seelisch nicht leicht zu verkraftende Sache“ sei, verflüchtigten sich mögliche spöttische Gedanken. In der Tat ein großer Vorgang: Eine Stadt, die nur aus geschichtlichem Erbe und schönen, hochgiebligen Fachwerkbauten zu bestehen scheint, wird durch einen Mäzen (Th. K. P. Schenning) dazu gebracht, einen Kunstpreis zu stiften und ein Museum für moderne Kunst zu gründen.
Solange der Preis an die gesicherten Klassiker der Moderne (Moore, Ernst, Calder und Vasarely) ging, wurde er wenig beachtet. Da nun aber die Stadt Goslar den Schritt der internationalen Jury mitvollzog und dabei mehr Mut bewies als manche kunstfreudige Großstadt, ehrte sich Goslar selbst, wie Wieland Schmied in seiner vorzüglichen und um Verständnis werbenden Laudatio auf Joseph Beuys erklärte.
Bestärkt wurde die Stadt auch durch die Anwesenheit der aus allen Himmelsrichtungen angereisten prominenten Kunstfreunde und -Experten, darunter NRW-Wissenschaftsminister Prof. Joachimsen. Anläßlich der Preisverleihung wurde im Mönchehaus-Museum iä Goslar eine sehr stille Beuys-Ausstellung mit weitgehend unbekannten Zeichnungen aus Privatbesitz eröffnet.
RP 10. 9. 1979
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