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Das gute Ende eines echt traurigen Kapitels
Eine doppelt erfreuliche Nachricht: Die Hessische Kulturstiftung hat gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder den über 200 Objekte umfassenden Beuys-Block im Landesmuseum Darmstadt erworben und damit vor einer drohenden Abwanderung bewahrt. Doppelt erfreulich ist die Nachricht deshalb, weil die beiden jungen Stiftungen mit ihrer gemeinsamen Aktion demonstrierten, daß kulturelle Initiativen nicht an Landesgrenzen scheitern müssen, und weil durch den Ankauf verhindert wurde, daß eine von Joseph Beuys selbst noch geschaffene Installation zerstört wird.
Damit gibt es doch noch ein gutes Ende für ein insgesamt trauriges Kapitel deutscher und insbesondere hessischer Kulturpolitik. Ursprünglich wollte der Kunstsammler Karl Ströher den Beuys-Block einschließlich seiner großen Pop-art-Sammlung dem Darmstädter Landesmuseum unter der Bedingung überlassen, daß entsprechende Räumlichkeiten (ein Anbau) geschaffen würden. Land und Stadt nahmen so halbherzig das Angebot an, daß schließlich die Pop-art-Sammlung der Stadt Frankfurt verkauft wurde. Auch der Beuys-Block soll Frankfurt für drei Millionen Mark angeboten worden sein. Doch damals reagierte niemand.
So kam es dazu, daß diese Installation, an deren Einrichtung Beuys mitgewirkt hatte und an der er immer wieder Ergänzungen vornahm, zu gleichen Teilen an den Londoner Galeristen Anthony d ‘Offay sowie an den Berliner Sammler Erich Marx verkauft wurde, die ihrerseits nach dem Tod von Beuys im In- und Ausland neue Käufer suchten. Also ergab sich eine zweifache Gefahr: Einerseits drohte die Abwanderung dieses in der Welt einmaligen Beuys-Komplexes, andererseits war zu befürchten, daß die von Beuys selbst geschaffene Installation auf Dauer zerstört würde.
Das, was die öffentliche Hand nahezu kostenlos hätte erhalten können, mußte nun für 16 Millionen DM angekauft werden; zwei Drittel trägt die Hessische Kulturstiftung, ein Drittel die Kulturstiftung der Länder. Vielleicht trägt diese bittere Erfahrung dazu bei, daß mit Hilfe der Kulturstiftungen solche Spätzündungen verhindert werden.
Auf jeden Fall ist der Beuys- Ankauf für beide Stiftungen ein gutes Signal. Sie kommen auf diese Weise erst gar nicht in den Geruch, nur die Retter von Antiquitäten zu sein.
Morgen stellt in Wiesbaden die Hessische Kulturstiftung ihre erste Bilanz vor: Neben dem Beuys-Block wurde auch das Kirchner-Bild „Seehorn für das Museum Wiesbaden erworben. Außerdem wurden die Wiesbadener Ausstellung 1000 Jahre russische Kunst, die Katalogisierung der Hofbibliothek in Arolsen sowie die Vorplanung der Landesausstellung Georg Christoph Lichtenberg (1992 in Darmstadt) mitfinanziert.
Daß Nordhessen in dem ersten Förderungsblock nur am Rande auftaucht, ist nach Darstellung der Kulturstiftung eher Zufall. Eines der nächsten Projekte soll der Erwerb eines Gemäldes von einem Rembrandt-Schüler für die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel sein. Die Förderung aktueller und im Lande nicht selbst erarbeiteter Ausstellungen (siehe Wiesbaden) sollte für die Kulturstiftung aber eine Ausnahme bleiben.
HNA 2. 2. 1989
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