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Dauer-documenta?
Es war eine spontane Idee, geboren aus der Angst, daß eines Tages das Kasseler Museum Fridericianum zu einem perfekten, hocheleganten Museum ausgebaut sein würde, in dem die documenta als die internationale Kunstschau der Gegenwart keine Luft mehr zum Atmen hätte. Je weiter die Idee aber ausgesponnen wurde, desto faßbarer und faszinierender wurde sie: Wie wäre es, wenn man die documenta nicht abrupt nach 100 Tagen enden ließe, sondern zu einer Dauer-Einrichtung für jeweils knapp vier Jahre machte? Das Fridericianum, das derzeit restauriert wird, könnte dabei zu einer ständigen Attraktion für Freunde zeitgenössischer Kunst werden.
Rudi Fuchs, der künstlerische Leiter der documenta 7 (1982), glaubt, daß 70 Prozent der Künstler mitziehen und für diesen längeren Zeitraum ihre Arbeiten als Leihgaben in Kassel lassen würden. Die finanziellen Belastungen durch die Ausweitung wären relativ gering, da lediglich höhere Versicherungsprämien zu zahlen und die Bewachungsprobleme zu lösen seien. Auch müsse in dieser Zwischenzeit ja keinesfalls jeden Tag geöffnet sein.
Diese documenta zwischen den documenten könnte jeweils das Kernprogramm der 100- Tage-Schau enthalten. Ausgehend davon, daß Orangerie und Neue Galerie als weitere documenta-Standorte dann sowieso nicht mehr zur Verfügung stünden, könnte nach den Vorstellungen von Fuchs nach Ablauf
der 100 Tage im Fridericianum das Wichtigste und Aufregendste konzentriert werden.
Kassel hätte damit ein internationales Museum der Gegenwart auf Dauer gewonnen, das in regelmäßigen Abständen total sein Gesicht verändert. Außerdem könnte ein in diesem Sinne genutztes Fridericianum im Innern in dem (rohen) Ausbauzustand belassen werden, in dem die nächste documenta das Gebäude vorfinden wird. Schon heute schauert es die Mitglieder des documenta-Teams, wenn sie an den Ausstattungskomfort denken, der für das Fridericianum vorgesehen ist, das vor 200 Jahren als das erste öffentliche Museumsgebäude des Kontinents errichtet wurde. Das Gebäude werde, so die einhellige Befürchtung, bei Durchsetzung der bisherigen Pläne für die documenta kaputt-restauriert.
Auch der Vorstoß des CDU-Politikers Windfuhr, für den Bund erworbene Kunst nach Kassel als Dauerleihgaben zu holen, ist ein Beweis dafür, wie sehr in der documenta-Stadt die ständige Repräsentation der Gegenwart vermißt wird. Wiederum würde sich bei einem solchen Projekt das Fridericianum anbieten. Doch erscheint die Forderung höchst unrealistisch, wenn man beobachtet, wie viele maßgebliche Kräfte versuchen, Bonn auch zu einer kleinen Kunst-Hauptstadt werden zu lassen und die Bundes-Erwerbungen wenn nicht in der umstrittenen Bundes-Kunsthalle, so in einem der beiden dann zu erweiternden Bonner Museen
zu zeigen.
HNA 8. 12. 1981
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