Künstlerliste

Rudi Fuchs, Leiter der kommenden documenta, verfolgt mit eiserner Konsequenz die Linie, sich nicht in seine Ausstellungs-Planung hineinschauen zu lassen. Die unvergleichliche Geschlossenheit seines Teams ermöglicht das. Grund genug für die Fachkritiker, zu bedauern, daß das alte Gewohnheitsrecht, an dem Hick-Hack im Komitee teilzuhaben, nichts mehr gilt.

Jüngste Kommentare in den Fachzeitschriften „art“ und „Kunstforum“ lassen den Frust durchscheinen, der die Experten ob der Fuchsschen Geheimpolitik plagt. Und immer noch steckt „Kunstforum“-Autor Grasskamp der Arger darüber in den Knochen, im Oktober zu einer documenta-Pressekonferenz nach Kassel gekommen zu sein, bei der Fuchs nur über die Ausstellungs-Atmosphäre sprach, nicht aber über eine Künstlerliste.

Dem Unmut folgt die Rache auf dem Fuß: Das „Kunstforum“ reproduziert mit einem kräftigen „Atsch“ eine neunseitige Anschriftenliste (mit Anmerkungen und Streichungen) von rund 100 Künstlern. Jetzt ist das documenta-Team in Aufregung über den vermeintlichen Raub. Doch hat nicht Fuchs selbst gesagt, es ginge bei der documenta um Werke und nicht um Namen?

Wenn man das akzeptiert, geduldig bleibt und dem Fuchs- Team weiter vertraut, kommt man allerdings zu einem ähnlichen Schluß wie die Voraus-Kritiker: Die Erwartungen an die documenta 7 sind mittlerweile so groß, daß Enttäuschungen schnell die Pleite herbeiführen
können.

HNA 29. 1. 1982

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