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Fuchs-Jagd
„..halte ich es - auch im Gedenken an Arnold Bode, den Erfinder und Motor dieses ‚Museums der 100 Tage‘ - für meine journalistische Pflicht, die Abberufung eines künstlerischei Leiters zur Diskussion zu stellen, der sich mit seinen Außerungen zur Kunst völlig unglaubwurdig zu machen droht…“
Die Attacke gilt documenta-Leiter Rudi Fuchs; und es ist im Vorfeld der großen Kunstschau der wohl forcierteste Angriff. Herausforderer ist Willi Bongard, Kunstmarkt -Publizist in Köln. In seinem vertraulichen Informationsdienst „art aktuell“ (Auflage: 550 Exemplare) nimmt er die Kunst und die documenta sozusagen vor Fuchs in Schutz.
Was aber hat der Eindhovener Kunst-Mann so Schreckliches gesagt und getan, daß Bongard den Fuchs zum Abschuß freigeben will? Er hat, so zitiert Bongard, zu einer Madrider Ausstellung von Jörg Immendorff u. a. geschrieben: „Formale Probleme sollten wir jetzt überhaupt mal vergessen. Kunst steht außerhalb von ‚Form und Inhalt‘…“
Da wir in der Schule alle einmal gelernt haben, daß sich in einem Kunstwerk Form und Inhalt entsprechen müssen, klingt das Fuchssche Wort natürlich verbrecherisch. Doch wollte man sich mit Bongard darüber richtig aufregen, müßte man mehr aus dem Text kennen. Vielleicht liegt aber auch Bongard ganz falsch, der in seinem Informationsdienst seit langem schon gegen die junge (,‚wilde“) deutsche und italienische Malerei kämpft und statt dessen die amerikanische dekorative Malerei (Pattern Painting) wie sauer Bier anbietet.
Doch es geht an dieser Stelle weder um die Frage, ob Bongard falsch liegt oder Fuchs sich in einer Formulierung verrannt hat, sondern es geht um ein Symptom: Je länger Fuchs den Vorhang vor der documenta 7 geschlossen hält, je mehr er die von Berufs wegen neu gierigen Journalisten mit sprachlichen Bildern abspeist, desto mehr stürzt sich die inforrnationshungrige Fachpresse auf das, was der documenta-Leiter (im Vergleich zu den auszüstellenden Werken) für unerheblich hält - auf die zitierbaren Worte.
Noch hält das Gros der Fachkritik im Vertrauen auf das Fuchs-Programm still. Wirkt aber der aus gestreute Unmut ansteckend, dann hat es die documenta 7 schwer und muß gegen eine Welle von Vorurteilen ankämpfen. Dann könnte leicht das von Fuchs angezettelte Versteckspiel zur wahren Fuchs-Jagd werden.
HNA 3. 2. 1982
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