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Farbteppiche
Immer wieder stellt die Galerie Winkenjohann (Kölnische Straße 61) das Werk von Künstlern vor, die ihr Handwerk in Kassel erlernt haben. Auch Wolfgang Bentler (Jahrgang 1949) studierte Kunst an der Gesamthochschule.
Bentler ist ein durch und durch malerisches Talent. Selbst dann, wenn er zeichnet, Umrisse skizziert oder Flächen strukturiert, arbeitet er malerisch, setzt er mit dem Pinsel knapp und weich die Striche und Linien. Seine besondere Kunst aber liegt darin, Ansätze figürlicher und landschaftlicher Darstellung derart zu verdichten, daß sich die Flächen und Räume zu einem Teppich aus Farbfeldern und -tupfern verknüpfen.
Diese südländisch-ornamentalen Bilder leben aus warmen, intensiven Farben; und sie wirken dann noch dicht, wenn Bentler die Farbe nur dünn aufgetragen hat, um die Struktur der rohen Leinwand in die Kornposition mit einzubeziehen.
Die Arbeiten Bentlers, meist Mischtechniken entstanden in den letzten zwei, drei Jahren. Die ornamentale Verdichtung ist allerdings nur einer von mehreren Wegen, die Bentler beschritten hat. Daneben sieht man eine Reihe reizvoller kleiner Studien und eine rätselhaft-spannende Folge von Figurenbildern mit bisweilen bedrohlich wirkenden Motiven. Da der Maler seinen Bildern Titel verweigert, beläßt er die Themen im Ungewissen.
In den Figurenbildern nähert sich Bentler einer mehr spontan-expressiven Malhaltung an: Die sich ins Schemenhaft-Weiche auflösenden Figuren stehen gelegentlich im Kontrast zu den undurchdringlich-intensiven Hintergründen. Nur in wenigen Bildern lösen Weißtöne die Festigkeit auf und vermitteln den Eindruck von Flüchtigkeit. Ein Bild fällt ganz aus dem Rahmen des hier Gezeigten: In eine Meerlandschaft mit wild aufschäumenden Wellen aus lichten Farben hat Bentler nach Kinderart Schiffchen (aus bloßen Urnrißlinien) hineingemalt. Diese Verbindung von raffiniert-effektvoller Naturdarstellung und naiver Handschrift verblüfft nicht nur, sondern fasziniert auch nachhaltig.
HNA 21. 2. 1985
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