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Vertrauen für Catherine David
Catherine David hat als documenta-Leiterin den bedingungslosen Rückhalt des Aufsichtsrates. Ihrerseits steht sie eindeutig zu documenta-Geschäftsführer Roman Soukup.
In dem zuletzt öffentlich geführten Kompetenzstreit bei der Vorbereitung der documenta 10 (1997) haben gestern documenta-Leiterin Catherme David und Kassels Oberbürgermeister Georg Lewandowski als documenta-Aufsichtsratsvorsitzender unmißverständlich Position bezogen. Beide sprachen in einer Pressekonferenz im Kasseler Museum Fridericianum die Hoffnung aus, daß der Streit um Nebensächlichkeiten nun beendet sei. Lewandowski versicherte, daß Catherine David das volle Vertrauen des Aufsichtsrats habe.
Sie allein sei für das künstlerische Konzept zuständig, und sie sei nur dem Aufsichtsrat insgesamt, nicht aber einem einzelnen Mitglied oder der Stadt bzw. dem Land verantwortlich. Zugleich bekannte sich Lewandowski zur einstimmig erfolgten Berufung von documenta.Geschäftsführer Roman Soukup. Dessen Zuständigkeiten seien eindeutig geklärt. Außerdem habe Soukup in seiner bisherigen Arbeit für die documenta-Geselischaft durchaus positive Ansätze zur Belebung des Museums Fridericianum entwickelt.
Die französische Ausstellungsmacherin Catherine David meinte, daß sie wohl glücklich sei, in Kassel sein zu können, daß sie aber hoffentlich das letzte Mal ihren Zeitplan habe umwerfen müssen, um eine Krise zu beenden. Sie sei nicht bereit, länger das zuletzt entstandene „Kuddelmuddel“ hinzunehmen. Weder leite sie eine Fernseh-Show noch eine Fußballmannschaft, sondern die documenta, die mehr als eine normale Ausstellung sei. Catherine David nannte wiederholt die bisherige Zusammenarbeit mit dem documenta-Aufsichtsratsvorsitzenden und mit dem Geschäftsführer aufrichtig und vertrauensvoll. Dies wolle sie fortsetzen. Soukup habe langfristige Anweisungen, die dieser auch umsetze. Er habe bisher, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, alles in Abstimmung mit ihr getan. Mit Blick auf den Streit zwischen Kassels Kulturdezernentin Irmgard Schleier und Roman Soukup nahm sie ungeschminkt Partei: Soukup und sie seien keine Angestellten des Kulturdezernats. Sie würden sich umgekehrt auch nicht in die städtische Kulturpolitik einmischen.
Auf die Frage, ob es denn Einmischungsversuche gegeben habe, erklärte sie, in direkter inhaltlicher Form seien sie nicht erfolgt, wohl aber in der Raumfrage. Die Streitfrage, ob das vom Naturkundemuseum genutzte Ottoneum für die documenta zur Verfügung stehe, nannte Catherine David nebensächlich. Die documenta könne sich mit dem 1. und 2. Stock im Ottoneum begnügen. Womit sie klarstellte, daß das Erdgeschoß auch 1997 für Museumszwecke zur Verfügung stehen kann.
Zur Vorbereitung der documenta will Catherine David im Herbst eine inhaltlich bezogene Pressekonferenz geben. Sie versicherte, daß sie mit ihrer
Planung sehr schnell vorankomme und daß das Gerüst für eine grobe Struktur stehe. Zu der Frage, ob sie über das Museum Fridericianum, die documenta-Halle und Teile des Ottoneums hinaus noch weitere Räume nutzen wolle, äußerte sich die documenta-Leiterin nicht. Sie wolle, so erklärte sie, die Künstler bestimmen lassen, welche Räume sie für ihre Arbeiten wünschten.
Auch ihr Berater- und Mitarbeiterteam will Catherine David derzeit nicht benennen. Erst einmal möchte sie die Konturen der Ausstellung selbst zeichnen. In einem fortgeschrittenen Planungsstadium werde sie dann ihre Mitarbeiter auch öffentlich vorstellen.
HNA 9. 3. 1995
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