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Einstimmig für Catherine David
Französin leitet documenta
1997 wird erstmals eine Frau die 1955 begründete Kunstausstellung documenta in Kassel leiten: Auf Vorschlag einer achtköpfigen Findungskoinmision berief gestern der documenta-Aufsichtsrat die französische Ausstellungsmacherin Catherine David (Jahrgang 1954) zur künstlerischen Leiterin der documenta 10 (1997). Die Literatur- und Kunsthistorikerin war acht Jahre lang am Pariser Centre Georges Pompidou tätig, bevor sie 1990 in die Ausstellungsleitung der neuen Pariser Kunsthalle Jeu de Paume wechselte. Die Findungskommission entschied sich für Catherine David, weil sie sensiblen Umgang mit Durchsetzungsvermögen verbinde, Zugang zu den verschiedensten Medien habe und über Einsichten in unterschiedliche Kulturen verfüge.
Die Entscheidung kam überraschend, fiel aber eindeutig aus: Die Pariser Ausstellungsmacherin Catherine David soll die documenta 10 (1997) künstlerisch leiten.
Nach den Irritationen der vergangenen Tage um die Finanzierung der documenta war dies ein deutliches Signal:
Einstimmig sprach sich die achtköpfige internationale Findungskommission für die Wahl der Lileratur- und Kunsthistorikerin Catherine David (Jahrgang 1954) zur documenta-I.eiterin aus, und einstimmig folgte der documenta-Aufsichtsrat dem Votum. Zwar konnte der Aufsichtsrat nicht wie vorgesehen den Wirtschaftsplan verabschieden, doch Kassels Oberbürgermeister Georg Lewandowski betonte erneut vor der Presse, daß die Stadt Kassel trotz ihrer Finanznot zur documenta stehe: „Damit ist jeglichen Spekulationen der Boden entzogen.“ Hessens Ministerpräsident Hans Eichel ging noch einen Schritt weiter und meinte, das Land werde die documenta keinesfalls unter der finanziellen Situation leiden lassen.
Catherine I)avid ist aus einer Gruppe von zehn Kandidaten ausgewählt worden, die sich zum Teil selbst beworben hatten oder die - wie die nun berufene Französin - zur Kandidatur aufgefordert worden waren. Nach den Worten von Jean-Christophe Ammann, Direktor des Museums Moderner Kunst in Frankfurt und Sprecher der Findungskommission, stehen die bisherige Arbeit und das Konzept von Catherine David für ein „Maximum an Offenheit“. Sie beherrsche den Umgang nut den verschiedensten Medien und habe außer zur Bildenden Kunst starke Beziehungen zu Literatur und Film. Durch ihre zahlreichen Reisen rund um die Welt habe sie auch Zugang zu den unterschiedlichsten Kulturen gefunden.
Die neue documenta-Leiterin ist von ihrer Berufung mehr als überrascht worden. Am Freitag hatte sie sich mit drei männlichen Mitbewerbern der Findungskommission gestellt, die es dann schaffte, schon in ihrer zweiten Beratungsrunde zu einem Ergebnis zu kommen. Catherine David wollte sieh vor der Presse weder zu ihrem Konzept noch zur Bildung ihres Mitarbeiterstabes äußern. Sie will die nächste Zeit dazu nutzen, mit Menschen aus den verschiedensten Ländern Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln, um im Dialog Klarheit über das Ausstellungskonzept zu gewinnen.
Catherine David hat die letzten drei docurnenten selbst erlebt. Dabei fand sie die von Rudi Fuchs verantwortete Ausstellung (1982) die beste. Ein weiteres Mal kam sie mit Kassel in Berührung, als sie 1991 an der Ausstellung Lazlo Moholy Nagy mitwirkte, die auch im Fridericianum gezeigt wurde.
Seit 1990 ist Catherine David Kuratorin in der Ausstellungsleitung der (1991) eröffneten Pariser Kunsthalle Jeu de Paume. Sie hatte von 1972 bis 1980
Literatur, Linguistik und Kunstgeschichte studiert. Von 1981 bis 1990 arbeitete sie als Kuratorin im Centre Georges Pompidou. In Paris und hatte zudem Lehraufträge für Kunstgeschichte
Neben der documenta-Leiterin wurde auch ein neuer
Geschäftsführer für die Ausstellungsgesellschaft berufen. I)er Aufsichtsrat entschied sich für den Verleger („Wolkenkratzer“) und Agenturmitarbeiter Roman Soukup, der für die documenta IX ein Sponsoren-Konzept entwickeln sollte, das allerdings nicht realisiert wurde.
HNA 13. 3. 1994
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