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Kunst-Postkarten
Postkarten mit Motiven von Spitzweg und Dürer, von Rembrandt und Marc hatten immer ihre stillen Liebhaber. Zu den Festtagen werden gern solche Karten verschickt, oder sie werden als Erinnerungsstücke nach der Begegnung mit dem Original im Museum mitgenommen. Interesse und Produktion konzentrierten sich in der Vergangenheit weitgehend auf die sogenannte gesicherte Kunst.
Seit einigen Jahren allerdings ist zu beobachten, daß mehr und mehr Künstler und Galerien für ihre eigenen (aktuellen) Zwecke die Bildpostkarte als informatives Medium nutzen: Die Ausstellungseinladung flattert als Postkarte ins Haus und wird durch die umseitige Abbildung eines Fotos, eines Gemäldes, einer Plastik oder einer Aktionsszene zum sammelwerten Dokument.
Vor allem hat der Polit-Grafiker Klaus Staeck mit seinen satirisch-aggressiven Postkarten-Serien erheblich dazu beigetragen, daß die Kunst-Postkarte wieder populärer geworden ist und insbesondere mit gegenwartsbezogenen, inhaltlichen Botschaften aufgeladen wurde. Da mittlerweile auch verstärkt Museen und Kunsthallen mit zeitgenössischen Sammlungen Postkarten zur neueren Kunstszene herausgeben, war das Feld schon gut vorbereitet.
Die in Köln ansässigen Brüder König erkannten diesen Trend und gründeten Anfang des Jahres einen Postkarten-Verlag, der gleich mit dem Vorsatz, 50 Serien zu 10 Karten (Stückpreis eine Mark) herauszubringen, startete. Beide sind auf dem Felde nicht unerfahren: Walter König hat eine Kunstbuchhandlung in Köln und nahezu ein Monopol beim Kunstbuch-Verkauf auf Ausstellungen wie der documenta: Kasper König ist Ausstellungsmacher und verantwortete zuletzt die „Westkunst“.
Zur documenta 7 hat der neue Verlag bereits drei Serien veröffentlicht: Bilder von Baselitz, Clemente, Cucchi, Dahn, Gerdes, Merz, Penck, Richter und anderen können im Postkartenformat (zusammen mit der frischen Erinnerung) nach Hause genommen werden. Weitere Serien sollen folgen - beispielsweise zu früheren döcumenten. Sicher ein lohnendes Geschäft, denn nicht jeder will und kann gleich einen teuren Band kaufen, wenn er sich für ein Bildmotiv interessiert.
Der Postkartenverlag der Gebr. König hat viel vor: Zu Themen aus Architektur, Design, Fotograf ie, Film, Humor. Graffiti, Kunst, Kulturgeschichte, Mode, Musik und Theater sollen Serien erscheinen, wobei Experten wie Museumsdirektoren, Galeristen und Historiker jeweils als für Qualitat bürgende Herausgeber fungieren sollen. Gewiß gibt es auf dem Gebiet einen großen Nachholbedarf zu decken, doch melden Kritiker auch erste Zweifel an: Ob denn nicht beim Andrehen einer solchen Massenproduktion das Niveau bald auf der Strecke bleibe. Die Gebr. König hingegen sind selbstbewußt genug, siech selbst nicht nur für die Garanten des Erfolgs, sondern auch der Qualität zu halten.
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