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Droht der zweite Kunstwerk-Abriß?
Wird auch die zweite Backstein-Skulptur von Per Kirkeby abgerissen? Die erste wollte die Stadt nicht als Geschenk, für die zweite will niemand Honorar zahlen.
Kassel und Per Kirkeby - eine unendliche traurige und blamable Geschichte? Fast scheint es so. Nachdem die Stadt 1986 bundesweit Negativ-Schlagzeilen damit gemacht hatte, daß sie Per Kirkebys zur documenta 7 (1982) hinter der Orangerie errichteten Backsteinbau hatte abreißen lassen, obwohl der dänische Künstler diese Skulptur als Geschenk angeboten hatte, droht nun der Abriß des zweiten Kirkeby-Bauwerks.
Die in der Verlängerung der documenta-Halle erbaute Skulptur (mit massivem Fundament) sollte für immer in Kassel bleiben - auch als aussöhnendes Element für die erste unrühmliche Abrißgeschichte. Bei der Fertigstellung vor zwei Jahren hatte noch Oberbürgermeister Wolfgang Bremeier erleichtert ausgerufen: ‚Nun bleibt Kirkeby in Kassel.“ Überhaupt war damals die Begeisterung groß gewesen. Vor allem gab es viel Lob für die Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft, die nicht nur Material bereitstellte, sondern auch durch den Einsatz der Auszubildenden der Lehrbaustelle dafür sorgte, daß keine Baukosten entstanden.
Es wurde sogar eine Tafel hergestellt, die an dieses Gemeinschaftswerk erinnert. Und Per Kirkeby ist heute noch beglückt von der Standfestigkeit des Baus.
Eines war für ihn jedoch von Anfang an unstrittig: Nachdem man in Kassel seine 1982 errichtete Skulptur als Geschenk ausgeschlagen und abgerissen hatte, erwartet er nun ein angemessenes Honorar. Es geht um rund 250 000 Mark. Wohl wurde die Höhe des Honorars nie genau dokumentiert, doch ließ sich Kirkeby zusichern, daß, wenn zwei Jahre nach Fertigstellung kein Honorar gezahlt worden sei, er das Recht zum Abriß (auf Kosten der Stadt und des Landes) habe.
Die Abrißbirne sei das einzige Druckmittel, das er habe, sagteKirkeby gegenüber der HNA. Natürlich sähe er es lieber, wenn das Bauwerk stehen bliebe. Auch sei er bereit, mit sich über das Honorar verhandeln zu lassen und die Finanznot zu bedenken. Aber er wolle, dass sein Anspruch endlich anerkannt werde.
Ursprünglich, so Kirkeby, daran gedacht worden, Skulptur als Kunst am Bau-Projekt der documenta-Halle zu finanzieren (schließlich steht sie auf einem Landesgrundstück). Dazu aber habe Geld nicht gereicht. Danach hatten sich documenta-Leiter Jan Hoet und Kulturreferent Hans-Bernhard Nordhoff die Zahlung eines Honorars (unter 100 000 Mark) stark macht. Doch beide sind nicht mehr in Kassel.
documenta-Gechäftsführer Roman Soukup hat Kirkeby erst einmal gebeten, den Abriß noch nicht vollziehen zu lassen. Kirkeby ist auch zum Einlenken bereit, wenn er irgendein Entgegenkommen spüre. Daß er Kassel noch nicht gram ist, beweist die Tatsache, daß er jetzt hierher kam, eine Ausstellung mit sieben seiner neuesten Gemälde in Neuen Galerie mit vorzubereiten.
HNA 16. 5. 1994
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