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Postkarten von Künstlern
Die Kunst hat in den letzten 20 Jahren die Postkarte als Medium wiederentdeckt. Künstler verschicken Karten mit individuell gestalteten Motiven und fördern damit die Mail-Art, politisch-kritische Grafiker wie Klaus Staeck können so ihre plakativen Botschaften in alle Welt versenden, und Ausstellungsveranstalter nutzen die Karte als illustrierte Einladung. Joseph Beuys, dem sehr viel an der weiten Verbreitung seiner Ideen lag, sah dementsprechend in seinen Postkarten Kleinkunstwerke (Multiples).
Auch Jürgen Schweinebraden, Ausstellungsmacher und Mitarbeiter der documenta 8, pflegt die Bildpostkarte als „Edition im kleinen Format“. Angeregt durch die Mail-Art-Bewegung entwickelte er den Plan, gemeinsam mit Künstlern Postkarten-Serien herauszugeben. Er wollte aber von Anfang an nicht bloß attraktive Bildmotive reproduzieren, sondern möglichst eigens für diesen Zweck
geschaffene Werke als Auflagen-Serien auf den Markt bringen. Gleichzeitig setzte er sich zum Ziel, Reihen prominenter Künstler mit Serien wenig bekannter zu mischen.
Für seine „BP Edition Jürgen Schweinebraden‘ (Am Finkenhain 6b, 3501 Niedenstein) entwickelte der Herausgeber ein überzeugendes Konzept: Jeweils 22 bis 32 Postkarten mit Motiven eines Künstlers werden in einer Kassette zusammengefaßt. Alle Bilder gehören zu einer in sich geschlossenen Serie; in Einzelfällen, wenn die Serien nicht so umfangreich sind, werden mehrere Motive doppelt angeboten. Auf den Innenseiten der aufklappbaren Kassette findet man einen Text, der die Bildserie erläutert; die Rückseite enthält Biographie und Bibliographie des Künstlers.
Die anspruchsvoll gedruckte (Schwarz-Weiß-)Edition startete mit Serien von A.R. Penck und Arnulf Rainer. Es folgten Reihen mit Motiven von Dietmar Kirves, Armando, Per Kirkeby, Max Neumann, Christo, Felix Droese, Dieter Appelt und Jürgen Klauke, Die in der Auf lage von 500 Stück herausgegebenen Kassetten kosten zwischen 12 und 30 Mark. Sie sind Künstlerbüchern gleichzusetzen.
HNA 19. 9. 1987
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