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Rekordmarke
Wenn es um Erfolgsbilanzen geht, denken selbst Kunsthistoriker in Sport-Kategorien. Dann wird das Kunsterlebnis mit der Rekordmarke vertauscht: Die documenta 8 hat die Traumzahl von 400 000 Besuchern erreicht und damit alle ihre Vorgängerinnen in den Schatten gestellt. Doch was heißt Traumzahl?
Wer nur an einem Samstag für einige Stunden die documenta gesehen hat, der hat sie nicht einmal ansatzweise erlebt. Der Erfolg kehrt sich gegen die um, die ihn ermöglichen.
Und doch ist die documenta ein Erfolg. Unberührt von jener Fachkritik, die ihr Kompetenz, Konsequenz und richtige Künstler-Auswahl abspricht, ist die documenta zu einer Institution geworden, die Massen mobilisiert, um die Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst zu wagen. Es ist Mode geworden, die documenta gesehen zu haben. Die 130 000 Besucher der documenta 1 wirken unbedeutend gegenüber diesem Ansturm.
Die Form der Ausstellung entspricht offenbar einem Bedürfnis unserer Zeit. Auch die Kunst braucht ihr Mekka, zu dem man in Abständen pilgert. Außerdem kommt die Ausstellung bei weiten Teilen des Publikums an. Das beispielhafte Führungssystem, der Kurzführer und die intensive Berichterstattung der Medien tragen dazu bei, daß diese Kunst ihre Wirkung tut.
Selbst wenn am Ende ein Defizit (wie vor 15 Jahren bei Szeemann) in der Höhe von über 500 000 Mark entsteht, wird die Institution in ihrem Bestand nicht gefährdet. Die Politiker wissen zu gut, was sie an ihr haben.
HNA 8. 9. 1987
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