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Aufsichtsrat mißbilligt Defizit
Mit dem Abschluß des Geschäftsberichtes 1987 hat Klaus Angermann sein Amt als Geschäftsführer der documenta zur Verfügung gestellt. Oberbürgermeister Hans Eichel gab gestern diesen seit längerem erwarteten Schritt im Anschluß an die Sitzung des documenta-Aufsichtsrates bekannt.
Der Aufsichtsrat hatte zuvor den Jahresabschluß 1987mit einer Bilanzsumme von 1,3 Millionen DM festgestellt und den Geschäftsführer entlastet. Gleichzeitig hatte der Aufsichtsrat die Kostenüberschreitungen der documenta 8 in einer Höhe „von nahezu 1 Mill. DM“ mißbilligt und einhellig die Auffassung vertreten, „daß die Ursachen für die Kostenüberschreitung im Bereich der künstlerischen Leitung und der Architektur entstanden sind“.
Sowohl Eichel als auch Dr. Rolf Lettmann unterstrichen als die Vertreter der Stadt und des Landes im Aufsichtsrat, daß keine Schuldzuweisungen vorgenommen werden sollten. Daher werde auch an keiner Stelle von schuldhaften Kostenüberschreitungen gesprochen. Es gelte aber, so Eichel, aus den Erfahrungen Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Daher habe man vereinbart, daß das Auftragsvergaberecht künftig beim Geschäftsführer liege; nennenswerte Uberschreitungen der vorher festgelegten Einzelpositionen habe er gegenzuzeichnen.
Der Aufsichtsrat will auf jeden Fall vermeiden, daß sich Defizit-Diskussionen wie nach dieser documenta wiederholen. Etatüberziehungen sollen im Zusammenwirken von künstlerischer Leitung und Geschäftsführung vermieden werden; wenn sie allerdings als unvermeidbar erschienen, sollte der Aufsichtsrat so frühzeitig unterrichtet werden, „daß er selbst darüber zu beschließen in der Lage ist.“ Das könnte bedeuten, daß in der Schlußphase einer documenta-Vorbereitung der Aufsichtsrat häufiger tagen müßte.
Der Oberbürgermeister bedauerte, daß durch den Rücktritt von Angermann die angestrebte Kontinuität in der Geschäftsführung nicht bewahrt werden könne. Angermann, der vor fünf Jahren die documenta-Geschäftsführung neben seinem Amt als Leitender Magistratsdirektor im Hauptamt des Rathauses übernahm, hat seinen Rücktritt nach Eichels Worten bereits zu Beginn des Jahres angekündigt. Er werde bis zur Einstellung seines Nachfolgers die Geschäfte weiterführen.
Der Nachfolger soll rasch, möglichst bis Ende Juli, gefunden werden. Denkbar ist, daß wiederum ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder des Landes die Geschäftsführung (als halbe Stelle) übernimmt. Um erneuten Unterstellungen einer zu engen Verquickung zwischen Rathaus und documenta zu begegnen, wünscht sich Eichel dieses Mal einen Landesbediensteten in dieses Amt. Sollte bis Ende Juli eine solche Lösung nicht durchsetzbar sein, werde die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben.
HNA 1. 7. 1988
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