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Eine Folge von Atelierräumen?
Nach dem nächtlichen, endlos langen „Marathon“ in Gent nun ein abendliches, kürzeres in Kassel. Jan Hoet setzt seine Informationskampagne für die nächste, für „seine“ documenta fort. In Kassel, wo er auf Einladung des Kunstvereins komprimiert das vorstellte, was man sich in Gent mühsam ersitzen mußte, verstand er es, das riesige Publikum weitgehend in den Bann seines Vortrages zu ziehen. Selbst seine nachgeschobene Rechtfertigung dafür, daß er die documenta-Stadt erst nach seiner Heimatstadt Gent mit Informationen bediente, kam an, obwohl sie nicht stichhaltig war.
Gleichwohl hatte dieser Abend Substanz. Nicht, weil nun Jan Hoet sein Konzept für die documenta 9 (1992) oder gar Teile der Künstlerliste vorgestellt hätte. Im Gegenteil: Ihm gelang es, das Publikum auf Kosten der Listensüchtigen und Namenshungrigen zu amüsieren. Aber es wurde verständlich, was Hoet bezweckt. Er will die Kunstinteressierten teilhaben lassen an seinen Erfahrungen und Urteilen, an seinen Rundgängen durch Ausstellungen, Galerien und Ateliers. „Ich kann nur zeigen, wie ich mit Kunst arbeite, beteuerte er einmal. Selbst wenn man unterstellen darf, daß er mehr weiß, klingt das im Moment plausibel. So verdichtete sich sein Dia-Vortrag über die Bilder, Skulpturen und Installationen, die er im Verlauf der vergangenen zwölf Monate gesehen hat, zu einem plastischen Hintergrund, vor dem sich sein documenta-Konzept entwickelt.
Die Besucher der Veranstaltung konnten mit der Gewißheit nach Hause gehen, daß Hoet der erste documenta-Leiter ist, der wirklich intensiv die Kunst der Dritten Welt studiert. Die Bilder, die er von seinen Reisen durch Schwarzafrika und Kuba zeigte, waren nicht nur spannend im Sinne der Exotik, sondern deuteten auch an, welche Chancen sich der documenta eröffnen, wenn sie über den west- europäisch-amerikanischen Tellerrand hinausblickt.
An den Schluß seines Vortrages stellte Hoet ein Bild von Altamira mit den vorzeitlichen Höhlenmalereien. So stark und intensiv wie diese Räume müsse die documenta werden. Am liebsten wäre ihm, wenn er eine Abfolge von Atelierräumen ermöglichen könnte.
Indem Hoet auf die gesamte Breite der heutigen Kunsterscheinungen setzte, ließ er bewußt eine Konfusion entstehen. Noch will er nicht verraten, in welche Richtung er denkt. Daß er aber ganz und ausschließlich im Sinne der Künstler und ihrer Werke denkt, das wurde an diesem Abend unmißverständlich.
HNA 8. 2. 1990
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