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Und Christo schnürte das Paket
Jeanne-Claude und Christo sind rund um den Erdball aktiv. Bei ihren Großaktionen kommen sie mit Tausenden zusammen. Trotzdem konnten sie sich relativ rasch an ihre Bekanntschaft erinnern, als 1995 im Trubel rund um den verhüllten Reichstag der Kasseler Malermeister und Kunstsammler Fritz Reuter und seine Frau auftauchten. Und mit dem „Wrapped Type-writer“ fiel Jeanne-Claude auch das richtige Stichwort ein. Ja, damals im documenta-Sommer 1968, hatte Christo die Schreibmaschine von Fritz Reuter in ein Kunstobjekt verwandelt - indem er sie in eine eng verschnürte Plastikhülle verpackte.
Mit verlegenem Stolz erinnert sich Reuter daran, wie er den Handel mit dem Künstler abschloss, der erst durch seine Kasseler Aktion mit der „verpackten Luft“ bekannt wurde. Während seiner Ausbildung hatte der Malermeister einen Lehrer gehabt, der auch an der Werkakademie unterrichtete. Durch ihn kam Reuter mit der Kunst der Moderne in Berührung. Er wurde zum Ausstellungs- und documenta-Besucher und zum Sammler.
Im Umfeld der 68er-documenta entdeckte Reuter in Galerien, dass es von dem Aktionskünstler
Christo auch kleinere verpackte Objekte gab. Ein solches wünschte er sich - und zwar ein ganz persönliches. Er dachte an seine Schreibmaschine, die wie durch ein Wunder durch die Zerstörung Kassels gerettet werden konnte und die bis in die 60er-Jahre ihre Dienste geleistet hatte. Im Café im Fridericianum sprach Reuter Christo und Jeanne-Claude an und trug seine Idee vor. Ja, der Künstler war bereit, den Auftrag anzunehmen.
Sie handelten den Preis aus (,‚Den sag‘ ich aber nicht“), und bald darauf brachte er die Schreibmaschine samt Brief, in dem der Auftrag beschrieben wurde, Christo ins Hotel. Einige später kamen Christo und Jeanne-Claude auf Einladung Reuters zum Gegenbesuch und brachten den „Wrapped Type-writer“ mit - rückseitig mit „Christo 68“ signiert.
Freunde und Bekannte, die die verpackte Schreibmaschine sahen, meinten, die Reuters seien nun total übergeschnappt. Dabei hatten der Sammler und seine Frau, wie sie heute gestehen, anfangs gar nicht gesagt, dass sie auch dafür bezahlt hatten. Fritz Reuter, der weiter zu Kunstmärkten fährt, ließ sich nicht beirren. Für die Christo-Skulptur schaffte er eine Vitrine an, in der das Objekt auf einer drehbaren Scheibe steht.
Und Christo hat diese Kasseler Schöpfung nicht vergessen. Für seine große Ausstellung im kommenden Jahr im Berliner Gropius-Bau möchte er das Objekt ausleihen. Das Foto für den Katalog soll am Wochenende gemacht werden.
HNA 29. 9. 2000
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