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Immer wieder Judith
Die Tafel ist unter einem hohen Baum gedeckt. Der Feldherr Holofernes, der auszog, im Namen seines Königs Nebukadnezar die Völker und Götter der Erde zu besiegen, bewirtet die jüdische Witwe Judith. Sie hat das Vertrauen des Feldherrn gefunden, der nun darauf hofft, mit ihrer Hilfe die Bergfeste Betulia, die im Hintergrund zu sehen ist, zu erobern.
Doch die umstehenden Gefolgsleute des Holofernes scheinen da nicht so sicher zu sein. Ihre Mienen verraten Mißtrauen. Das Unheil, das dem Feldherrn droht, kündigt sich an: Judith enthauptet bald darauf den schlafenden Holofernes.
Lucas Cranach hat sich mehrfach mit der Geschichte der listenreichen Judith malerisch auseinandergesetzt. Vorwiegend schuf er Bildnisse der siegreichen und selbstzufrieden in die Ferne blickenden Judith, die das abgeschlagene Haupt vor sich liegen hat. In diesen Gemälden erscheint Judith wie eine Schwester der Salome (mit dem Johannes-Haupt), die von Cranach ebenfalls in Serie gemalt wurde.
Die häufigen Bildwiederholungen sind ein Beleg dafür, wie sehr Cranachs Werkstatt, die er von 1507 bis 1547 in Wittenberg betrieb, geschätzt war und wie wenig Scheu der gefragte Maler davor hatte, Gemälde (mit kleinen Abwandlungen) zu vervielfältigen.
Das Bild „Judith an der Tafel des Holofernes“ entstand 1531. Es wirkt aus der Ferne ruhig, fast idyllisch. Vor allem die obere Gemäldehälfte strahlt eine fast friedliche Atmosphäre aus; lediglich die Soldatenzelte deuten auf den kriegerischen Konflikt. Dagegen ist der fest umschlossene Bildvordergrund bis zur Explosivität mit Leben angefüllt. Man spürt die Spannung, die unter den Kriegsführern herrscht.
Im selben Jahr schuf Cranach übrigens auch das Gegenstück zu diesem Bild: Es zeigt vor ins Dramatische gewandelter Kulisse, wie Judith im Zelt des Holfernes den abgeschlagenen Kopf des Feldherrn in einem Sack verbirgt.
In der Zeit, in der die beiden Gemälde entstanden, arbeitete Lucas Cranach bereits erfolgreich mit seinem Sohn zusammen. Der Forschung, die ansonsten Schwierigkeiten hat, zwischen der Malerei von Vater und Sohn zu unterscheiden, neigt in diesem Fall dazu, Lucas Cranach d.Ä. als den Schöpfer anzusehen. Als Indiz gilt dabei die Tatsache, daß sich der Maler selbst mit dargestellt hat: Am äußersten linken Rand steht er als dunkle Gestalt, die mit einem Finger auf die Szenerie weist.
HNA 17. 6. 1990
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