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Ein Büroplatz mitten in der Stadt
Der in Dresden lebende Künstler Adam Page (Jahrgang 1966) hat für die documenta einen aufklappbaren Raum entworfen, der stundenweise gebucht werden kann.
Die Buchungsliste wird in der documenta-Geschäftsstelle in Kassel geführt. Dort kann man sich per Telefon (70 72 70) oder Fax (70 72 739) eintragen lassen, wenn man den documenta-Besuch oder die Fahrt in die Stadt nutzen will, um zwischendurch in den eigenen Wänden eine Bürostunde oder eine Erholungspause einzulegen. Der in Dresden lebende britische Künstler Adam Page hat das möglich gemacht.
Inmitten der Container-Zeile am Kasseler Friedrichsplatz stellte er mit Hilfe von Auszubildenden von VW Baunatal eine „Executive Box“ auf. Die kann, wer will, jeweils für eine Stunde kostenlos buchen. Lediglich 50 Mark Pfand für den Schlüssel müssen hinterlegt werden. Die Box übernimmt man im geschlossenen Zustand als schmalen länglichen Kasten. Hat man sie durch die eine Tür betreten, läßt sich die Wand mit der zweiten Tür im Viertelkreis aufschieben. Ein schöner geschlossener Rum entsteht - mit Arbeitsplatte, Telefon, Kaffeeautomat, Fernsehapparat und Stühlen. Sitzt man auf einem der Stühle, öffnet sich ein Panoramablick auf den Friedrichsplatz.
Während man ungestört hinaussehen kann, wird man selbst kaum wahrgenommen, denn die transparente Zone in der Wand ist in Sitzhöhe eingelassen, wird deshalb von den Passanten kaum bemerkt. So entsteht nicht unbedingt das Gefühl, als Fisch im Aquarium bestaunt zu werden.
Da läßt sich nun ungestört sitzen, lesen und plaudern. Doch nicht ganz: In der einen Wand ist eine rechteckige Öffnung in der eine Parkbank steht. Auf ihr kann man sowohl innen als auch außen sitzen. Nimmt der „Mieter“ dort Platz, kommt es schnell zu überraschenden Begegnungen, wenn sich auf der anderen Seite Passanten zum Ausruhen niederlassen. Dann gibt es mißtrauische Blicke, Schmunzeln und manchmal auch ein Gespräch. Schließlich wird der Box-Benutzer in dem Moment als Privilegierter erkannt, als einer, der mitten in der Stadt über sein eigenes Büro verfügt.
Page will mit der Box ein Kommunikationsspiel in Gang setzen und erfahrbar machen, wie im öffentlichen ein privater Raum entsteht und plötzlich die Abgrenzung nach außen aufgehoben wird. Die Box ist aber auch ein realer architektonischer Entwurf für einen mobilen und flexiblen Büroraum. Und Page versteht auch sie auch als ein Dokument dafür, dass Kunst und Geschäft nicht zu trennen sind.
Nur Vorsicht bei Regen: Die Box hat kein Dach.
HNA 1. 7. 1997
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