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Viele reagieren nur auf den Markt
Mit großer Behutsamkeit geht Catherine David bei der Planung der documenta X (1997) vor. Immer wieder drängen sich Vergleiche zu Rudi Fuchs und seiner documenta von 1982 auf.
Aus der Ungeduld erwuchs Unmut. Viele Kunstberichterstatter fühlten sich genarrt, weil die Vorbereitungen für die documenta 7 (1982) auf dem öffentlichen Markt keine Wellen schlugen und weil der künstlerische Leiter Rudi Fuchs neun Monate vor dem Start immer noch nicht den Vorhang gelüftet hatte. Da die Künstlerliste erst vier Monate vor Ausstellungsbeginn veröffentlicht wurde, kam es zu dem wohl einmaligen Fall, daß eine vorläufige Liste aus dem documenta-Büro entwendet und in einer Zeitschrift abgedruckt wurde.
Die Französin Catherine David, die für den nächsten Sommer die zehnte documenta in Kassel vorbereitet, bezieht sich in dieser Hinsicht gern auf den Holländer Rudi Fuchs - weil sie sich durch dessen Vorgehensweise bestätigt sieht und sich die Kritik an ihr relativiert.
Aber auch aus anderen Gründen nimmt sie Bezug auf die von Fuchs organisierte Ausstellung: Es ist in ihren Augen die beste documenta, die sie gesehen hat und die letzte klassische documenta.
Wie Fuchs, so ist mittlerweile klar geworden, wird Catherine David ältere Werke von Künstlern in ihre Ausstellung einbeziehen, auch von solchen (wie Marcel Broodthaers), die schon
seit langem nicht mehr leben. Ihr Kriterium dabei ist unmißverständlich: Sie will die Kunst zeigen, die über die Komplexität verfügt, die der gegenwärtigen kulturellen Situation entspricht. Dabei können nach ihrem Verständnis ältere Arbeiten genauso aktuell sein wie die Werke ganz junger Künstler.
Catherine David geht mit einer großen Portion Skepsis ans Werk. Wohl glaubt sie an die Kraft der Kunst. Bei der Auswahl der Künstler operiert sie aber sorgsam. Immer wieder prüft sie die Hervorbringungen der Künstler, die sie ins Auge faßt, um wirklich entscheiden zu können, ob da jemand nur einer Mode folge und (wie so viele) nur auf den Markt reagiere oder wirklich jene Komplexität erzeuge, die tragfähig ist. Der viel gefeierte Maler Markus Lüpertz, dem derzeit in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf) eine große Werkschau gewidmet ist, wird von der docurnenta-Leiterin als Blender eingestuft. Mit Malerei, so sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion, habe das nicht viel zu tun. Überhaupt hält sie einen großen Teil der heutigen Mal- Produktion für billig und marktorientiert. Gegenpositionen vertreten für sie Sigmar Polke und der vor 19 Jahren gestorbene Blinky Palermo.
Aber die documenta X wird, wenn die Nummer zehn auch dazu verführt, keine Rückschau auf die Kunstentwicklung der Nachkriegszeit werden. Die Rückbezüge sind als reine Aktualitäts-Beiträge gedacht. Im Mittelpunkt sollen denn auch die Werke die jüngeren Generation stehen, jene Arbeiten, die die Vielschichtigkeit der gesellschaftlich-kulturellen Situation am Jahrtausendende spiegeln und die der Kunst dazu verhelfen, ihren Platz in der kulturellen Auseinandersetzung wiederzufinden.
Das größte Problem aber ist, den Widerspruch zwischen intimer Kunstbegegnung und erfolgreicher Massenausstellung aufzulösen. Catherine David hofft, dies erreichen zu können, indem sie bei ihrer Ausstellung die Interessen der verschiedenen Publikumsgruppen berücksichtigt.
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