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Das Logo-Spiel
Nach der jüngsten Aufregung um das Verhältnis von Catherine David zur documenta-Stadt Kassel mag sich jemand gedacht haben: Möglich ist doch alles. Warum sollte die Französin, nachdem sie sich für ihre Interview-Äußerungen entschuldigt hat, nicht auch bereit sich, sich von dem viel kritisierten Logo zu trennen?
Gedacht - getan. Und so flatterte am Wochenende zur Unzeit ein Fax in die Redaktion das vermeintlich Sensationelles verkündete: Auf dem documenta-Logo sollte nicht länger das „d“ (für documenta) hinter einem roten „X“ (römische zehn) verschwinden und damit, wie einige hartnäckig meinen, durchgestrichen werden, sondern sollte über dem „d“ ein blaues „X“ mit rotem Fuß stehen. Damit würde, so hieß es in dem Fax, die „weibliche Position des Documentateams“ stärker in den Vordergrund gerückt werden und damit würde auch klar, daß die „ Documentaleitung“ nicht die Auflösung der documenta betreibe.
Ein witziger Einfall. Der Autor (oder eine Autorin?) hatte an vieles gedacht, zumal er sich offensichtlich nicht nur in der aktuellen Diskussion bestens auskennt, sondern auch Zugang zum documenta-Büro hat. Er hatte sich nämlich das documenta-Geschäftspapier mit dem Logo-Aufdruck (allerdings eine ältere Version) besorgt, und, um es ganz hochrangig zumachen, documenta-Leiterin Catherine David selbst unterschreiben lassen. So mochte der Scherz ganz glaubwürdig erscheinen. Nur genau dies war der Mühe zuviel.
Denn noch hat Catherine David ihre Pressearbeit nicht selbst in die Hand genommen. Die documenta-Leiterin, die am Wochenende mit Künstlern in Kassel unterwegs war, um ihnen die Ausstellungsorte zu zeigen, reagierte auf Nachfrage amüsiert. Und wahrscheinlich hat der Verfasser der fingierten Pressemitteilung nicht bedacht, daß er mit seiner Geschichte, auf die sogar einige reingefallen sein sollen, genau das Gegenteil von dem erreichte, was er beabsichtigt hatte: Er hat bestätigt, wie herausfordernd das documenta-Logo ist und wie viele Reibungspunkte es bietet. Es setzt sich fest - in Schwarz und Rot. Demnächst auch im Internet, wie Catherine David verriet.
HNA 22. 7. 1996
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