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Pflanzaktion und Bilderflut
Die documenta 7 (1982) bescherte eine Bilderflut, denn die totgesagte Malerei hatte einen neuen
Aufbruch erlebt. Doch die Ausstellung stand im Zeichen der Beuys-Aktion „7000 Eichen“.
Die erste documenta hatte die Bundesgartenschau von 1955 als Plattform genutzt, um
der Ausstellung auch den notwendigen Zuspruch zu sichern. Als Ende der 70er Jahre erneut Garten- und Kunstschau für Kassel parallel geplant wurden, entschied sich der documenta-Aufsichtsrat bewußt für eine zeitliche Trennung. Die documenta war erfolgreich genug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Also wurde sie um ein Jahr auf 1982 verschoben; damit war der Fünf -Jahres- Rhythmus endgültig fest- geschrieben.
Nachdem die documenta 6 (1977) mit ihren Aktionen und Skulpturen weit in die Stadt hineingewirkt hatte, propagierte der Eindhovener Museumsdirektor Rudi Fuchs, der zum künstlerischen Leiter berufen worden war, den Rückzug ins Museum; die Ausstellung sollte zum Spaziergang einladen, bei dem man in der Gegenüberstellung von Kunstwerken Entsprechungen und Widersprüche erleben sollte. Fuchs machte Schluß mit Abteilungs-Gliederungen, zumal immer mehr Künstler zwischen den Techniken hin- und herpendelten.
Dabei setzten Fuchs und sein Team (Gerhard Storck, Johannes Gachnang und Germano Celant) auf eine klare Hierarchie der Künstler: Ausgehend vom zentralen Eingang im Fridericianum platzierten sie rechts und links im Erdgeschoß die „Helden“ der Kunst, zu denen sie vor allem James Lee Byars, Jannis Kounellis, Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Mario Merz, Arnulf Rainer und A. R. Penck zählten. Die klare spiegelbildliche Ausstellungsordnung zerfiel allerdings in den oberen Geschossen.
Wie bei anderen documenten auch hatten Auseinandersetzungen innerhalb des Teams zu Unstimmigkeiten bei der Hängung geführt. Außerdem spürte man in der Orangerie und noch mehr in den Teilen der Neuen Galerie, die der documenta zur Verfügung standen, daß diese Gebäude nachrangig waren und auch als Auffangbecken dienen mußten. Fuchs hatte zwar, als er 1979 berufen worden war, das Wiedererstarken der Malerei richtig vorausgesehen, doch hatte er nicht ahnen können, welche Bilderflut die junge Malerei in Europa hervorbringen würde. Kurz, seine
Künstlerliste verlängerte sich in der Schlußphase deutlich, weil der Anspruch, die aktuelle Szene zu dokumentieren, ihn in Zugzwang brachte. Er geriet in große Platzprobleme.
Die documenta 7 feierte die Malerei in allen ihren Spielarten. Aber sie isolierte sie nicht, weil sich die Bezüge zwischen den Materialien durch die Haltungen herstellten. Obwohl Fuchs zum Rückzug ins Museum geblasen hatte, war seine documnenta die Ausstellung, die sich durch einige überragende Skulpturen im Stadtraum auszeichnete: Die „Spitzhacke“ von Claes Oldenburg an der Fulda, Per Kirkebys Backsteinbau hinter d Orangerie (der trotz lauter Proteste abgerissen wurde) und Jörg Immendorffs Brandenburger Tor. In den Schatten gestellt wurden alle diese Projekte durch die Aktion „7000Eichen“, mit der Joseph Beuys seinen erweiterten Kunstbegriff plastisch auf das Stadtgebiet übertragen konnte. Den Abschluß der Aktion, in deren Verlauf 7000 Bäume gepflanzt und 7000 Basaltsäulen gesetzt wurden, erlebte Beuys aber nicht mehr. Er starb 1986.
documenta 7 (1982): 1000 Werke von 182 Künstlern. 380 00 Besucher. Etat: 6,694 Mio. Mark. Zuschüsse: 3,151 Mio. Mark, Erlöse und Spenden 3,543 Mio. Mark.
HNA 29. 1. 1997
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