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Nicht-offizielle Künstlerliste im Internet
Das Internet macht es möglich - die sich selbst fortschreibende und korrigierende Künstlerliste für die documenta X, die am 21. Juni in Kassel beginnt. Während documenta-Leiterin Catherine David an ihrem Grundsatz festhält, die Künstlerliste erst unmittelbar vor dem Ausstellungsauftakt zu veröffentlichen, versuchen viele, diesen Vorsatz zu hintertreiben. Den systematischsten Weg hat jetzt „Blitz Review“ eröffnet. Unter der Internet-Adresse „http://blitzreview.thing.at/“ wird eine knapp 100 Namen umfassende Liste veröffentlicht, die die Künstler aufführen soll, deren Werke in der kommenden documenta vertreten sein sollen. Die Liste wendet sich auch an die Künstler selbst und deren Galeristen - mit der Aufforderung die Namen zu streichen, die „zu Unrecht“ drauf stehen oder neue Namen hinzuzufügen, „wenn sie definitiv feststehen“.
Die Liste ist, soweit sich überblicken läßt, in großen Teilen zutreffend. Denn obwohl Catherine David die endgültige Aufstellung noch nicht abgeschlossen hat und die gesicherten Teile unter Verschluß hält, sind durch Interviews, offizielle Äußerungen und Beispiel-Nennungen viele Künstler mittlerweile bekannt - wie Gerhard Richter, Marcel Broodthaers, Walker Evans, Gordon Matta-Clark, Dan Graham, Jeff Wall oder Michelangelo Pistoletto.
Die Internet-Liste fügt diesen prominenten Namen nun weitere hinzu, die zum Teil auch schon vom „Informationsdienst Kunst“ veröffentlicht wurden: Vito Acconci, Fischli/Weiss, Hans Haacke, Jörg Herold, On Kawara, Martin Kippenberger, Suzanne Lafont, Maria Lassnig, Matt Mullican oder Heimo Zobernig.
Wie zu erwarten, wird diese Veröffentlichung im documenta-Büro mit gemischten Gefühlen betrachtet: Auf der einen Seite sieht man dort auch ein, daß sich nicht alles unter dem Deckel halten läßt, auf der anderen Seite schmunzelt man darüber, daß auf der Liste auch wichtige Namen stehen, die nicht bei der documenta dabei sein werden. Beispielsweise, so heißt es, sei nie daran gedacht worden, Arbeiten von Marcel Duchamp in der documenta X zu zeigen. Auch könnten Brice Marden, Bruce Nauman (der Schlüsselkünstler der vorigen documenta), Blinky Palermo oder Ben Vautier von der Internet-Liste gestrichen werden. Eine genaue Aufstellung der „falschen Namen“ war allerdings nicht zu erhalten.
Für den „Blitz Review“ läßt die documenta „keine aktuelle Härte“ erkennen. Sie scheine, so schließt die Wertung der Künstlerliste, „auf seltsam harmlose Art und Weise ein eher konservatives Ereignis zu werden“.
HNA 18. 3. 1997
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