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An den Rändern der Fotografie
Die Fotografie, die bei der vorigen („Medien“-)documenta ihre eigene museale Abteilung hatte, läuft bei der documenta 7 eher am Rande mit. Doch es ist keineswegs so, als wenn in diesem Jahr die Fotografie ausgeklammert wäre. Vor allem die konzeptionellen Arbeiten sind es, die Eingang gefunden haben. Katharina Sieverding (Jahrgang 1944) und Klaus Mettig (Jahrgang 1950), die in Düsseldorf zusammen leben und oft gemeinsam ausstellen, erkunden mit ihren Arbeiten seit Jahren Extrempositionen der Fotografie. Indem sie das Medium nutzen, geben sie den Anstoß über dessen Wirkungsweise nachzudenken, sie weisen dem Lichtbild neue Aufgaben zu.
Für Katharina Sieverding ist häufig das gefundene Foto das Ausgangsmaterial. Sie entnimmt die Bilder Zeitschriften und vergrößert sie mit Hilfe zahlreicher Zwischenaufnahmen um ein Vielfaches. Die Künstlerin stößt bis an die Grenzen des technisch Möglichen vor und gelangt so zu viermal sechs Meter großen Formaten. Während in den verschiedenen Reproduktionsstufen das Bildmotiv unschärfer und unwichtiger wird, blühen die Farben auf und wird die Stimmung, die schon in der Vorlage enthalten ist, immer intensiver. Darum geht es auch für Katharina Sieverding in der Hauptsache: mit den Mitteln der Fotografie Farbstimmungen herauszuarbeiten, die von empfundenen Ängsten, Bedrohungen und Endzeitvisionen berichten.
Für eine Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle schuf die Künstlerin 1980 drei Bildpaare in diesem Riesenformat, wobei drei verschiedene Motive in jeweils zwei Farbversionen
gegenübergestellt wurden. Diese Werkgruppe zeigt Katharina Sieverding nun in einem Großraum des Fridericianums.
Auch Klaus Mettig geht mitunter vom gefundenen Bild aus - etwa wenn er Einzelbilder aus den Fernsehnachrichten herausholt. Mehr als drei Jahre lang hat er Fernsehbilder abfotografiert. Doch seine Aufmerksamkeit gilt nicht dem einen Bild, sondern der Bilderflut. Reduziert man eine Tagesschau-Sendung auf die Nachrichtenblöcke, wird sie überschaubar, löst man sie in Einzelbilder auf, ertrinkt man. Diese optische Massierung will Mettig sichtbar machen und ordnet die Fotos zu monumentalen Bildwänden, in denen wiederum auch das Ausschnitthafte des Einzelelements herausgestrichen wird.
Mettig ist ein vorzüglicher Dokumentarfotograf, dem das Einzelbild wichtig ist, aber nicht genügt. Aus vielen zueinander gehörenden Bildern baut er Montagen, ohne die einzelnen Fotos anzutasten. Optische Eindrücke werden so verstärkt, inhaltliche Bezüge hergestellt und Farbakzente, gesetzt. Es entstehen Bilderfriese, die aus der Ferne wie ein durchgestalteter Block erscheinen, sich beim Herantreten aber als eine Summe von Fotografien entpuppen.
In der documenta 7 lernt man von Mettig einmal solche farbigen Bilderfriese kennen. Daneben zeigt er auch einige monumentale Bildwände, die er als Gesamtkomplex in diesem Jahr erstmals im Eindhovener Van Abbemuseum präsentiert hatte: eine Arbeit aus 214 Teilen, wobei jedes Teil 252 Zentimeter hoch und 30 Zentimeter breit ist und aus 12 Bildern besteht.
Mai 1982
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