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Zur documenta ein neues Gesicht
Natürliches Licht und eine Folge ganz unterschiedlicher Räume. So lautet Paul Robbrechts Gestaltungsprinzip für das Innere des Fridericianums.
Mit jeder documenta verändert das Museum Fridericianum sein Gesicht. Um einen neuen und unverstellten Zugang zu dem Gebäude zu erhalten, ließen documenta-Leiter Jan Hoet und sein Ausstellungsarchitekt Paul Robbrecht, die eingezogenen Zwischenwände herausnehmen und die durch Wände verschlossenen Fenster freilegen. Aus der reinen Gestalt des Baus und anhand der Vorstellungen, welche Künstlerprojekte wo realisiert werden sollen, entwickelten sie dann eine neue Struktur.
Das Material, mit dessen Hilfe diese Struktur umgesetzt wird, ist nach den Worten von Paul Robbrecht relativ einfach und billig: Aus großen Gipsblöcken werden massive Wände errichtet, die sich von den tragenden Mauern des Gebäudes kaum unterscheiden. Dieses Baukastenprinzip läßt es zu, mit geringem Aufwand in diesen Wänden Fenster- und Türöffnungen zu schaffen. Der provisorische Charakter der Wände wird lediglich dadurch sichtbar, daß sie nicht bis zur Decke gezogen werden, sondern mit den oberen Fensterkanten abschließen.
Robbrecht hat eine Folge unterschiedlich zugeschnittener Räume entworfen. Einerseits ging es ihm darum, sich der Ursprungsidee des Gebäudes anzunähern, andererseits hatte er im Sinn - wie von Hoet versprochen -‚ wechselnde Klimata zu schaffen und die Wünsche der Künstler zu berücksichtigen. So ist eine äußerst lebendige Abfolge aus in sich geschlossenen rechteckigen Räumen und Korridoren entstanden. Mal schließen die Räume die Fensterfront mit ein und öffnen sich dem Licht, dann wieder sind massiv zugemauerte Kabinette und Säle gebaut werden, die sich vor der Helle verschließen.
Die entstehende Innenarchitektur nimmt den Grundrhythmus des Gebäudes auf, unterläuft ihn aber auch, indem sie die Symmetrie überspielt. Die Besucher sollen nicht unterschiedliche Werke in gleichartigen Räumen erleben, sondern mit jedem Raum in ein anderes Klima eintauchen. Klein und groß, gestreckt und quadratisch, hell und dunkel: Das Fridericianum soll der Ort der Kräfte, der Spannung und des Dramas werden.
Völlig anders wird die Rotunde wirken: Vor die Galerien im ersten und zweiten Stock wird eine Wand gesetzt, so daß das von oben einfallende Licht ausschließlich nach unten, ins Erdgeschoß fließen kann. Auf den Galerien entstehen auf diesee Weise halbrunde, in sich abgeschlossene Räume.
Das Prinzip der wechselnden Erlebnisräume gilt für die Ausstellung insgesamt. Wie in einer Stadt die verschiedenen Gebäude zusammenwirken, so Robbrecht, sollen die einzelnen Ausstellungsorte eine aufeinander abgestimmte Vielfalt ergeben. Deshalb wird es in den leicht und luftig konzipierten Aue-Pavillons keine massive Mauern und festen Räume geben, sondern nur leichte Zwischenwände.
HNA 10. 3. 1992
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