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Bode-Preis an Ruthenbeck
Der in Düsseldorf lebende Künstler Reiner Ruthenbeck (Jahrgang 1937) erhält in diesem Jahr den mit 15 000 Mark dotierten Arnold Bode-Preis der Stadt Kassel. Ruthenbeck, der in diesem Jahr zum vierten Mal in der documenta vertreten, ist ein Bildhauer von erstaunlicher Konsequenz. Immer wieder setzt er beim Nullpunkt an und versucht, das Einfache so zu gestalten, daß es sich selbst als Form und Körper mitteilt. Dabei verbindet er die klare, auf den Raum bezogene Form mit signalhaften Farben.
Ruthenbecks Arbeiten beschränken sich oftmals auf minimale Eingriffe, durch die er starke Spannungen erzeugen kann: In ein zusammengenähtes rotes Tuch hängt er eine Glasscheibe, die das Tuch spannt und ihm eine körperliche Präsenz verleiht. Oder ein roter Stoffring wird an einer Wand durch einen Metallwinkel in die Form eines Rhombus gezwungen.
Der Bildhauer buchstabiert das Alphabet der Skulptur neu. Obwohl er auf eine Handschrift verzichtet, sind seine Arbeiten aufgrund ihrer Einfachheit, Klarheit und Plastizität stets schnell auszumachen. Bei dieser documenta hat Reiner Ruthenbeck darauf verzichtet, eine eigene skulpturale Form zu schaffen. Er hat die beiden Fahrstühle im Museum Fridericianum in einen roten und einen blauen Farbraum verwandelt: Die Besucher, die sich mit Hilfe der Fahrstühle durch das Ausstellungshaus bewegen, werden förmlich in Farbe getaucht. Hier werden sie ähnlich intensiv von der Kunst umfangen wie in der Bruce Nauman-Installation. Nur bei Ruthenbeck herrscht Stille.
HNA 3. 7. 1992
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