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Gibt es Vorläufer für den “Himmelsstürmer”?
Hat Jonathan Borofsky Ideen anderer benutzt, als er seinen „Himmeisstürmer“ für die Kasseler documenta 9 schuf?
Mit seiner Skulptur „Man Walking to the Sky“, im Volksmund „Himmelsstürmer“ genannt, hat der Amerikaner Jonathan Borofsky die Herzen der Kasseler erobert. Die Begeisterung für das auf dem Friedrichsplatz aufgestellte documenta-Werk ist so groß, daß viele überzeugt sind, mit Hilfe einer Bürgeraktion könnten die 635 000 Mark zusammengebracht werden, die zum Erwerb der Skulptur notwendig sind.
Aber da, wo sich der Ruhm einstellt, finden sich auch schnell die Neider ein: Kritische Geister halten in aller Welt Ausschau nach Figuren, die auf schräg gestellten Stangen und Röhren herumturnen. Und sie sind fündig geworden. In Skagen, am nördlichsten Punkt Dänemarks, entdeckte einer ein Denkmal, das ihn prompt an Borofsky erinnerte. Hat der Amerikaner den symbolischen Brückenschlag nur für seine Zwecke zurechtgebogen?
Der Berliner Bildhauer Hubertus von der Goltz spricht sogar offen von Plagiat. Schon seit 1984 lasse er in schwindelerregenden Höhen menschliche Figuren balancieren. Viele Freunde hätten ihm fälschlicherweise zu der documentaArbeit gratuliert.
Seine Klage trug er der Kunstzeitschrift „art“ vor, die es sich dennoch nicht nehmen ließ, Borofskys kräftig ausschreitende Figur signalhaft auf den Titel zu setzen. Das ist eigentlich Kommentar genug:
Borofsky hat gewiß nicht den Balanceakt für die figürliche Plastik erfunden. Insofern spielt es auch gar keine Rolle, ob er die „Vorläufer“, die ganz anderes im Sinn hatten, kennen konnte oder mußte, als er an sein eigenes Werk ging. Entscheidend ist vielmehr, daß er die Vision von der zwischen Himmel und Erde schwebenden Figur so genau auf den Punkt brachte, daß sie alle ähnlichen Arbeiten überstrahlt. Hier wird keine Brücke geschlagen und hier tänzelt keiner auf dem Drahtseil. Der Mann scheint, magisch angezogen, ohne Halt dem Himmel zuzustreben. Doch das bald endende Rohr läßt an einen unaufhaltsamen Aufstieg keines weg denken.
HNA 4. 8. 1992
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