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Experimentierlust
Dreizehn Jahre nach seiner ersten Ausstellung im Palais Bellevue ist der Maler Sigurd Beyer mit einer Auswahl seiner Bilder erneut in diese Räume eingekehrt. Zahlreiche andere Werkpräsentationen liegen dazwischen, in denen sich Beyer als ein Maler profilierte, der dem radikalen Realismus (mit Abschweifungen ins Surreale) verpflichtet ist.
Trotzdem gilt weiter das Wort, das 1978 in der Kritik stand: Beyer ist noch ein Suchender. Mitten unter den erzählerisch und philosophisch angelegten glasklaren Stilleben und weiten Landschaften hängt nämlich ein kürzlich entstandenes Bild, das radikal mit allem bricht und in spontaner und abstrakter Manier nur die Farbe feiert. Beyer liebt nach wie vor das Experiment.
Das abstrakte Bild fällt total aus der Ausstellung heraus. Aber auch sonst präsentiert sich der Maler von sehr unterschiedlichen Seiten. Doch in einem Punkt bleibt er sich durch alle Versuche treu - in seiner ungebrochenen Vorliebe für blaue und violette Töne, für kalte Farben und unterkühlte Stimmungen.
Im Palais Bellevue sieht man Bilder, die an die Tradition eines C.D. Friedrich anknüpfen, und solche die surreale Stimmungen eines Dali aufnehmen. Am eigenwilligsten und unverwechselbarsten ist Beyer da, wo er Fjordlandschaften in sich verdunkelndes blau-violettes Licht taucht, oder dort, wo er vor weiten Landschaftsszenerien auf einer Fensterbank oder einer Brüstung Stilleben-Motive drapiert, die zu Geschichten einladen. Das Gemälde „Feindliche Nachbarn“ ist in dieser Reihe sicher eines der besten.
Die Ausstellung gewinnt ihren Charme dadurch, daß Beyer die Fülle seiner Möglichkeiten vorführt. Neben den in klassischer Manier gemalten Gemälden sieht man auch locker skizzierte Aquarelle und Gouachen. Aber auch als Grafiker ist Beyer überzeugend. Seine eher zarten Farbradierungen (Windräder“, „Toscana“) machen auf ein bisher weniger beachtete Seite in Beyers Schaffen aufmerksam.
HNA 27. 4. 1991
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